Britische Ausschreibung: Ein digitales Werkzeug für das Arbeiten mit Bauwerksinformationsmodellen

A digital tool for building information modelling

Britische Ausschreibung: Ein digitales Werkzeug für das Arbeiten mit Bauwerksinformationsmodellen

Noch zwei Jahre! Ja, es sind noch zwei Jahre bis alle öffentlichen Bauprojekte in Großbritannien mit BIM (Stufe 2) ausgeführt werden müssen. Seitdem das Programm 2011 ins Leben gerufen wurde, wurde es von der BIM Task Group (–> Link) unterstützt und weitergetrieben. Um die Sache gründlich – und auch nachhaltig anzugehen – hat man sich einen mehrgleisigen Fahrplan gegeben und arbeitet diesen jetzt ab:

Das BIM Entwicklungsdiagramm mit den dazugehörigen (Hilfs-) Dokumenten

Das BIM Entwicklungsdiagramm mit den dazugehörigen (Hilfs-) Dokumenten

Während die Dokumente wie Normen und Standards und auch die Handbücher bereits veröffentlicht sind oder in Kürze werden, steht eine digitale Version des ‚Plan of Work‘, des digitalen Arbeitsplanes, also eines genau festgelegten Ablaufschemas für den Design- und Entwicklungsprozesses eines Bauwerks (‚1‘ im obigen Schaubild) und eine fachthemen-übergreifende Klassifikation (‚2‘ im obigen Schaubild) noch aus.

Um diese fehlenden Elemente zu entwickeln wurde jetzt ein digitales Werkzeug für das Arbeiten mit Bauwerksinformationsmodellen (–> Link) ausgeschrieben. Dieses digitale Werkzeug soll webbasiert sein und sowohl den digitalen Arbeitsplan als auch die Klassifikation beinhalten bzw. anwenden. Die Webseite hat weitgehende Informationen. Um tiefer in die Materie einzusteigen, habe ich mir für diese Blog-Ausgabe einmal das folgende Dokument angeschaut: ‚A digital tool for building information modelling – Functional specification‘ (–> Link). Im Grunde genommen ist die Aufgabe in drei Teile geteilt, den digitalen Arbeitsplan, die umfassende Klassifikation und das Werkzeug dafür:

Der digitale Arbeitsplan

Im letzten Jahr wurde das Ablaufschema der Britischen Architektenkammer, RIBA (Royal Institute of British Architects, –> Link), der RIBA Plan of Work 2013 (PoW, –> Link) veröffentlicht. Dieser wurde 50 Jahre nach seinem ersten Erscheinen gründlich überarbeitet – insbesondere um die Arbeiten mit Bauwerksinformationsmodellen zu integrieren. Aber ein großes Manko bleibt dabei. Der RIBA PoW ist eine Anleitung. Die Anforderungen, die dort gestellt werden, die festgelegten Datenübergaben, die Regeln können nicht digital überprüft werden. Genau das Problem soll der jetzt ausgeschriebene digitale Ablaufplan, der Digital Plan of Work (dPoW) beheben.

„The dPoW enables the generation of a data deliverables template for each project against which to test the validity of each delivery.“

Derjenige, der sich daran interessiert, an dieser Ausschreibung teilzunehmen, ist sehr gut daran beraten, sich die bisher geleisteten Arbeiten der BIM Task Group (–> Link) genau anzuschauen. Zum Beispiel wurde der Ablaufplan nicht nur in acht Phasen unterteilt:

  • Stage 0 – Strategy,
  • Stage 1 – Brief,
  • Stage 2 – Concept,
  • Stage 3 – Definition,
  • Stage 4 – Design,
  • Stage 5 – Build & commission,
  • Stage 6 – Handover & closeout,
  • Stage 7 – Operation & end of life,

sondern es wurde auch überlegt, was zu welchem Zeitpunkt geliefert werden muss. Die Herangehensweise finde ich logisch und bewundernswert. Zunächst wurde überlegt, welche Fragen (–> Link) zu welchem Zeitpunkt beantwortet werden müssen, zu welchem Zeitpunkt also welche Entscheidungen getroffen werden müssen und welche Informationen dafür jeweils notwendig sind. Zu dem so definierten ‚Wann?‚ und ‚Was?‚ kommt aber auch noch eine dritte ‚Dimension‘, nämlich das ‚Wer?‚: In einem Bauprozess mit einer Vielzahl an Beteiligten ist es für einen vollständigen Ablaufplan auch von Bedeutung, die verschiedenen Rollen näher zu betrachten. Somit kommt man zu einer dreidimensionalen Matrix:

Die dreidimensionale Datenmatrix

Die dreidimensionale Datenmatrix

In dieser Matrix kann man somit zu jedem Zeitpunkt im Bauablauf ablesen, wer was zu liefern hat!

Auch hat man sich zu den digitalen Detaillierungsstufen Gedanken gemacht. Während LoD, also Level of Detail bzw. Development schon anderweitig bekannt ist, soll das ausgeschriebene Werkzeug die Einhaltung dieser Vorgaben auch (automatisch) überprüfen können. Wie kann ein Werkzeug das? Nur, wenn es zuvor die zu überprüfenden Daten vorgegeben bekommt. Ja, richtig: Die Umsetzung des dPoW beinhaltet auch die Definition und Beschreibung von ca. 3000 Elementen in unterschiedlichen Detaillierungsstufen:

„It should be noted that if the Elemental (EE) level of Uniclass were adopted and extended to include all building and infrastructure elements this could easily approach 3000 elements.“ 

Dies wird sicherlich auch interessant für die verschiedenen Projekte, die sich weltweit mit der Definition von Merkmalslisten beschäftigen!

Die Klassifikation

Ein klar definierter Ansatz dieser Ausschreibung – eigentlich des gesamten BIM-Programms – ist es, der Britischen Bauwirtschaft für den Fall, dass BIM auch international mehr angewendet wird, eine bessere Ausgangsposition, also Marktvorteile zu verschaffen. Auch unter diesem Aspekt ist es zu sehen, dass die angestrebte Klassifikation auf jeden Fall auf Basis der sich gerade in der Überarbeitung befindlichen Internationalen Norm ISO 12006-2 (–> Link) entwickelt werden soll.

Eigentlich wurden ja schon Anstrengungen unternommen, mit Uniclass2 (–> Link) eine silo-überspannende Klassifikation zu entwickeln. Die Annahme verläuft aber wohl so schleppend und das Resultat ist anscheinend nicht so überzeugend, dass mit dieser Ausschreibung ein neuer Anlauf unternommen werden soll.

Das Werkzeug

Eigentlich kann man hierzu nur die webbasierte eierlegende Wollmichsau sagen. Der Katalog der Anforderungen ist lang, hierzu gehören neben diversen Import- und auch Exportfunktionalitäten auch – und das ist m. E. beachtenswert – die Fähigkeit für eine Mehrsprachigkeit. Aber vor allem muss es leicht zu bedienen sein und so gut wie selbsterklärend.

Für uns auf dem Festland ist diese Ausschreibung auch interessant. Die Zielvorgaben sehen einen sehr engen Zeitplan (Ende der 2. Phase bereits im September 2014!) vor und eine spätere kostenfreie Nutzung. Somit wird dieses Werkzeug sicherlich hierzulande in Erwägung gezogen werden müssen, wenn es darum geht, die nächsten Schritte einer BIM-Übernahme zu planen.

Für diejenigen, die noch mehr über diese Ausschreibung erfahren möchten, sei noch einmal auf die Wettbewerbs-Webseite (–> Link) verwiesen.

Ich werde die Ergebnisse genau verfolgen und wieder darüber berichten.

Schauen Sie doch wieder einmal vorbei! Machen Sie es sich einfach und abonnieren Sie meinen Blog! Es würde mich freuen!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s