BIM: Es muss nicht (immer) 3D sein!

Wie in meinem letzten Blog-Eintrag (–> Link) berichtet, sind die Österreicher dabei, zwei Normen zu erstellen, die sich mit der digitalen Bauwerksdokumentation beschäftigen: ÖNORM A 6241-1 und ÖNORM A 6241-2.

Ein sehr interessanter Aspekt dabei ist, dass die ÖNORM A 6241-1 ihre Anwender dazu befähigt, auch mit herkömmlicher 2D CAD-Technik objekt-orientiert zu arbeiten!

Objekt-orientiertes Arbeiten in 2D

Im letzten Jahr wurde vom Österreichischen Normungsinstitut die ÖNORM A 6240-4 mit dem Titel „Technische Zeichnungen für das Bauwesen – Teil 4: Digitale Dokumentation“ mit einer umfangreichen Sammlung an (kostenlos herunterzuladenden) Anhängen veröffentlicht (–> Link).

Diese Norm basiert auf der Internationalen Normenreihe DIN EN ISO 13567 ‚Technische Produktdokumentation – Gliederung und Benennung von Layern für CAD‘. In der ÖNORM A 6240-4 werden aber nicht nur Layer und deren codierte Bezeichnung definiert, sondern auch Blöcke.

„Definitionsgemäß ist ein Block eine Ansammlung von Objekten (Linien, Bögen, Kreise, Text, etc.), die zusammen eine komplexere Einheit ergeben, die normalerweise ein Objekt in der realen Welt darstellt, wie z. B. eine Tür, einen Stuhl, ein Fenster, einen Computer“ (Hervorhebungen durch den Blog-Autor; Quelle: http://www.we-r-here.com/cad/tutorials/level_2/2-2.htm)

Ein großer Vorteil an Blöcken ist aber auch, dass sie von allen gängigen CAD-Programmen und nicht nur von AutoCAD® verstanden, bearbeitet und ausgewertet werden können. Zudem ermöglichen sie ein objekt-orientiertes Arbeiten:

Block - Fenster

„Blöcke können auch nicht-grafische Informationen enthalten. Dies sind Textobjekte, die Attribute genannt werden. Wenn z. B. verschiedene Stühle zu einem Block verbunden wurden, können diesem Block Informationen wie Hersteller, Kosten, Gewicht, etc. hinzugefügt werden. Diese Informationen sind einerseits dauerhaft mit dem Block verbunden, sie können andererseits aber auch in eine Datenbank oder in eine Tabelle ausgelesen werden, was z. B. für Materiallisten nützlich sein kann. Attribute können zudem in einer Zeichnung sichtbar gemacht werden oder unsichtbar bleiben.“ (Hervorhebungen durch den Blog-Autor; Quelle: http://www.we-r-here.com/cad/tutorials/level_2/2-2.htm)

Jetzt schon auf BIM Level 2 und im August 2014 auf BIM Level 3!

Die weiteren Arbeiten der Österreicher sahen vor – auf dieser 2D-Norm aufbauend – eine 3D-Norm zu entwickeln. Mit der 2D-Norm befindet man sich aber bereits jetzt schon  – die Briten haben sich dies erst für 2016 zum Ziel gesetzt! – auf dem BIM Level 2 (siehe auch meinen Blog-Eintrag „Wieviel BIG BIM steckt im BIM-Level 3?“ –> Link) und mit der im August 2014 als Entwurf zu veröffentlichenden 3D-Norm wird man bereits BIM Level 3 erreichen. Um dies der Welt zu verdeutlichen, gliedern die Österreicher diese beiden Normen aus der (alten) Normenreihe der ‚Technischen Zeichnungen‘ aus und begründen mit der ‚Digitalen Bauwerksdokumentation‘ eine neue:

  • ÖNORM A 6241-1 „Digitale Bauwerksdokumentation – Teil 1: CAD-Datenstrukturen und Building Information Modeling (BIM) – Level 2″ und
  • ÖNORM A 6241-2  „Digitale Bauwerksdokumentation – Teil 2: Building Information Modeling (BIM) – Level 3-iBIM“

Das Interessante an diesem Aufbau ist, dass die beiden Normen aufeinander aufbauen und somit eine Auf- und Abwärtskompatibilität aufweisen. Während die ÖNORM A 6241-2 Strukturen, Merkmalslisten definiert, die in einer externen Datenbank abgelegt werden sollen, stellt die ÖNORM A 6241-1 die dazu passenden Blöcke mit Attributen bereit, einheitlich benannt und für Mensch und (!) Maschine gleichermaßen lesbar! Die Idee dahinter ist, dass der DXF-Standard in der Version 2010 als etwas angesehen wird, das als Datenformat für eine Archivierung herangezogen werden kann, während z. B. IFC – in der Meinung des Österreichischen Komitees – (noch?) nicht dafür geeignet ist.

Gegenüberstellung 6241-1 u 6241-2

Parallelität zu DIN SPEC 91400?

Mit der ÖNORM A 6241-2 werden also auch Merkmalslisten definiert. Hierbei fällt eine gewisse Parallelität mit den derzeitigen Aktivitäten rund um die DIN SPEC 91400 in Deutschland auf (siehe meinen Blog-Eintrag „Eine fach- und silo-überspannende Bauklassifikation für den deutsch-sprachigen Raum?“ –> Link). Insbesondere wenn man sich auf Europäischen Niveau die Aktivitäten der Briten in Brüssel und der Norweger bei CEN anschaut, wäre m. E. eine nähere Zusammenarbeit im D-A-CH-Raum zumindest zu erwägen!

Wesentliche Merkmale  ÖNORM A 6240-4Europäische Bauproduktenverordnung (Nr. 305/2011)

Seit Juli 2013 ist nach einer Übergangsfrist die Europäische Bauproduktenverordnung in Kraft. Sie beinhaltet die Regelungen, die von Bauproduktherstellern und -händlern eingehalten werden müssen, um ihr Produkt mit einem CE-Kennzeichen versehen und damit auf dem Europäischen Markt vertreiben zu können. Das Interessante im Zusammenhang mit den Merkmalslisten der ÖNORM A 6241-2 (und auch der DIN SPEC 91400!) ist hierbei, dass mit der Bauproduktenverordnung ‚Wesentliche Merkmale‚ Einzug halten:

Wesentliche Merkmale“ diejenigen Merkmale des Baupro­dukts, die sich auf die Grundanforderungen an Bauwerke beziehen;“ (Hervorhebungen durch den Blog-Autor; Quelle: Europäische Bauproduktenverordnung –> Link)

Die Wesentlichen Merkmalen werden in den fachspezifischen harmonisierten und mandatierten Europäischen Normen aufgeführt. Anhand dieser Merkmale müssen die Produkthersteller bzw. -händler in einer öffentlich zugänglichen Leistungserklärung die Konformität ihrer Produkte nachweisen. Sie gelten EU-weit, sind die Verbindung von Produktgruppen zu den harmonisierten Europäischen Normen und mit den jeweiligen nationalen Ausgaben werden bereits offizielle Übersetzungen geliefert. Also haben diese Merkmale einen besonderen Stellenwert.

Aus diesem Grund habe ich einmal die Wesentlichen Merkmale, die in der DIN EN 14351-1 Fenster und Türen – Produktnorm, Leistungseigenschaften – Teil 1: Fenster und Außentüren ohne Eigenschaften bezüglich Feuerschutz und/oder Rauchdichtheit (–> Link) aufgeführt werden, den Attributen des Blockes OF_Öffnung_Fenster der ÖNORM A 6240-4 gegenübergestellt. Eine große Übereinstimmung war hier nicht zu entdecken (s. Abbildung auf der linken Seite). Gibt es hier noch einen Nachholbedarf? Wenn die ÖNORM einen größeren Einfluss über die Ländergrenzen (z. B. im D-A-CH-Raum) gewinnen möchte, wäre eine Verbindung zu den Europäischen Normen über die Wesentlichen Merkmale doch ein erster Schritt, oder? Wie steht es in dieser Hinsicht bei der DIN SPEC 91400?

Es bleibt also spannend! Ich werde darüber berichten!

Schauen Sie doch wieder einmal vorbei! Machen Sie es sich einfach und abonnieren Sie meinen Blog! Es würde mich freuen!

 

 

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