ISO 12006-3: Unter der Motorhaube vom buildingSMART Daten-Wörterbuch (bsDD)

Prinzip eines Begriff-Wörterbuches: Festlegung und Identifizierung von Objekten und ihren Eigenschaften

Prinzip eines Begriff-Wörterbuches: Festlegung und Identifizierung von Objekten und ihren Eigenschaften

Wenn zwei in der Bauwelt zusammenarbeiten wollen, so müssen sie vorher Dinge festlegen, um später die Kommunikation und den Datenaustausch untereinander ohne größere Störungen durchführen zu können. Und das hinunter bis auf Objektniveau, z.B: Was macht  eine Tür aus, welche Eigenschaften sind beiden Kooperationspartnern wichtig. Nur so ist sicher gestellt, dass die involvierten Parteien die erhaltenen Daten auch weiterverarbeiten können und die Kooperation auch allen Beteiligten Vorteile bringt.

Um aus Erfahrungen lernen und um Einmal-Geleistetes effizienzsteigernd wiederverwenden zu können, wird man bei einer erneuten Kooperation gerne auf die oben angesprochenen Abmachungen zurückgreifen wollen. Am besten wäre es eigentlich, man könnte sich selber das mühsame Definieren von Objekteigenschaften sparen und auf bereits festgelegte Standards zurückgreifen. Wenn diese Definitionen darüberhinaus noch von einer neutralen Stelle gepflegt und angeboten würden, könnten sicherlich die notwendigen Diskussionen mit den Kooperationspartnern effizienter und kürzer geführt werden.

Genau das möchte eine Referenzbibliothek bzw. ein Daten-Wörterbuch sein: Eine zentrale neutrale Anlaufstelle für Objektdefinitionen, also für Festlegungen, welche Eigenschaften ein Objekt bzw. ein Konzept ausmachen. (siehe auch nebenstehende Grafik).

In meinem letzten Blog-Eintrag (s. ‚Und am 30. Juni ist die 1. Phase schon wieder vorbei …–> Link) habe ich erwähnt, dass das Team ‚planBIM‘ vor allem auf die buildingSMART-Standards setzen will. Dazu gehört auch bSDD, das Daten-Wörterbuch von buildingSMART. Es basiert auf dem internationalen Standard, ISO 12006-3. Im Folgenden möchte ich mir diesen Standard einmal näher anschauen, also sozusagen dem bSDD unter die Motorhaube schauen.

Aber lassen Sie sich jetzt nicht abschrecken! Ich werde versuchen, trockene Informatik-Materien etwas anschaulicher zu präsentieren.

ISO 12006-3 heißt im Deutschen „Hochbau – Organisation des Austausches von Informationen über die Durchführung von Hoch- und Tiefbauten – Teil 3: Struktur für objektorientierte Informationen“. Es geht also um die Datenstruktur hinter Referenzbibliotheken bzw. Daten-Wörterbüchern.

Für so eine Struktur muss man die Informationen analysieren und Informationstypen oder Konzepte herausarbeiten. So auch in dieser Norm. Als wichtigste würde ich die Objekte und die Beziehungen sehen, wobei es u. a. noch unterschiedliche Beziehungen gibt, Assoziationen und (direkte) Verbindungen.

Objekte

ISO 12006-3: Objekt-Typen

ISO 12006-3: Objekt-Typen

ISO 12006-3 legt sieben Objekt-Typen fest: Subjekte, Aktivitäten, Akteure, Eigenschaften, Werte/Ausprägungen, Maßeinheiten und Maße mit (Maß-)Einheiten.

Beziehungen – Assoziationen

ISO 12006-3: Assoziations-Typen

ISO 12006-3: Assoziations-Typen

Mit Hilfe von diesen ‚Assoziationen‚ können die Objekte mit einander in spezielle Verbindungen gebracht werden, aber eher indirekt. Ein Beispiel könnte die Assoziation des Akteurs ‚ZImmerer‘ mit dem Subjekt ‚Dach‘ sein. Um diese indirekte Verbindung in der Datenbank darzustellen, wird der Assoziations-Typ ‚Ordnet der Einwirkung nach zu‘ (xtdRelActsUpon) verwendet.

ISO 12006-3: Beispiel für Assoziationen - Die Verbindung des Akteurs Zimmermann mit dem Subjekt 'Dach'.

ISO 12006-3: Beispiel für Assoziationen – Die Verbindung des Akteurs ‚Zimmerer‚ mit dem Subjekt ‚Dach‚.

Beziehungen – (Direkte) Verbindungen

ISO 12006-3: Beziehungen - (direkte) Verbindungen

ISO 12006-3: (Direkte) Verbindungs-Typen

Mit Hilfe von diesen ‚Verbindungen‚ können die Objekte mit einander in direkte Verbindungen gebracht werden. Ein Beispiel könnte die Verbindung des Subjekts ‚Dach‘ mit der Eigenschaft ‚Farbe‘ sein. Um diese direkte Verbindung in der Datenbank darzustellen, wird der Verbindungs-Typ ‚xtdRelAssignsProperties‚ verwendet.

ISO 12006-3: Beispiel für Verbindungen - Die Verbindung des Subjekts 'Dach' mit der Eigenschaft 'Farbe'.

ISO 12006-3: Beispiel für Verbindungen – Die Verbindung des Subjekts ‚Dach‘ mit der Eigenschaft ‚Farbe‘.

 GUIDs, Namen und Beschreibungen

Aber wie macht man es jetzt, dass diese Konzepte immer wieder – und auch überall auf der Welt – erkannt werden? Der Trick hierbei ist es, alle Konzepte, die in der Datenbank sind, also sowohl den ‚Objekten‘ als auch den ‚Beziehungen‘ (sei es als Assoziationen, sei es als direkten Verbindungen) eine bleibende maschinenlesbare Identifikation, also Art Geburtsurkunde zu geben und sie gleichzeitig gewissermaßen sprach-neutral zu gestalten.

Um dies jetzt jedem ‚Objekt‘ angedeihen lassen zu können, haben sich die Väter der ISO 12006-3 eine Hilfskonstruktion überlegt, die genau dies liefert: Ein Konstrukt, das sowohl den GUID, als auch die Möglichkeiten liefert, jedem Konzept verschiedene Namen und Beschreibungen zuzufügen, sei es in einer oder mehreren Sprachen. Ein Beispiel könnte das Subjekt ‚Dach‘ sein, dem man neben dem GUID auch Namen und Beschreibungen, jeweils im Englischen als auch im Deutschen zugewiesen hat.

ISO 12006-3: Beispiel für das Subjekt 'Dach' und dem  ihm zugewiesenen GUID, den (englischen/deutschen) Namen sowie den (englischen/deutschen) Beschreibungen

ISO 12006-3: Beispiel für das Subjekt ‚Dach‘ und dem ihm zugewiesenen GUID, den (englischen/deutschen) Namen sowie den (englischen/deutschen) Beschreibungen

 Zu kompliziert für eine praktische Anwendung?

Wenn Sie jetzt denken, ‚Wie kompliziert‘, so muss ich Ihnen recht geben. Gewiss wird man aus einer Datenbank, die alle diese oben beschriebene Instrumentarien nutzt, Vieles herauslesen können, aber ist man hierbei nicht ein wenig zu ehrgeizig gewesen? Stellen die hehren Ansprüche an die Datenstruktur nicht auch hehre Ansprüche an die Umsetzung? Wenn man sich jetzt auch noch überlegt, dass bei bSDD jeder eingeladen ist, seine eigenen Bibliotheken mit einzubringen, ist eine Datenpflege, die bSDD weltweit zu einer anerkannten Autorität in Sachen Objektdefinitionen macht, irgendwie schwer vorstellbar.

Ist dies der Grund, dass die Norm zwar bereits 2001 als PAS veröffentlicht wurde, es bis heute aber m. W. keine kommerziell tragbare Lösung gibt, die diese Norm umsetzt?

Es bleibt also spannend! Ich werde darüber berichten!

Schauen Sie doch wieder einmal vorbei! Machen Sie es sich einfach und abonnieren Sie meinen Blog! Es würde mich freuen!

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