Da tut sich ja doch ‚was in Deutschland!

Foto_BIM_Workshop Wenn man sich auf den einschlägigen deutschsprachigen Webseiten in Sachen BIM so umschaut, so kann man nur den Eindruck bekommen: ‚Still ruht der See‘ … oder doch nicht? Wie ich schon in meinen letzten Blog-Einträgen (s. z. B. ‚Ländervergleich: BIM-Premiere League, BIM-Bundesliga, BIM-Regionalliga–> Link, oder ‚Die Niederländische BIM Task Group: Bouw Informatie Raad–> Link) erwähnt habe, hat das DIN Deutsches Institut für Normung e. V. am letzten Donnerstag (11.9.2014) einen BIM-Workshop veranstaltet. Und? Da tut sich ja doch ‚was in Deutschland in Sachen BIM! Das Programm sah folgendermaßen aus:

Während auch alle Vorträge auf der Seite des Normenausschuss Bauwesen des DIN (–> Link) veröffentlicht sind, so möchte ich doch im Folgenden auf sie eingehen – mal mehr, mal weniger.

BIM-Strategie für Deutschland

Herr Dr. Koggelmann, Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI, –> Link) berichtete über die Arbeiten der Reformkommission Bau von Großprojekten (–> Link) und hier im Speziellen von den Arbeiten der Arbeitsgruppe BIM. Ende letzten Jahres, also schon im Dezember 2013 hat die AG BIM eine erste Skizze einer BIM-Strategie für Deutschland vorgelegt. (Still ruht der See … !?). Die Strategie umreisst die folgenden Eckpunkte:

  • Daten verfügbar machen, Transparenz schaffen

Hochwertige Informationen werden zum richtigen Zeitpunkt benötigt, um kompetente Entscheidungen im Hinblick auf die ökonomischen und ökologischen Ziele treffen zu können;

  • Öffentlicher Auftraggeber

Dem öffentlichen Auftraggeber kommt bei der Durchsetzung der BIM-Methode eine besondere Rolle zu;

  • Referenzprojekte

Anhand von Referenzprojekten kann gezeigt werden, was jetzt schon geht, was noch entwickelt werden muss und was andere davon lernen können;

  • Push-Pull-Strategie (Fördern und Fordern)

Push = Förderung und aktive Hilfe- stellung bei der Umsetzung innerhalb der Bauwirtschaft, Pull = Forderungs-Impuls in die Bauwirtschaft als klares Zeichen, ganz bestimmte verlässliche und transparente Datenlieferungs- und Entschei- dungsprozesse zu etablieren;

  • Kompetenzsteigerung

Durch höheres Kompetenzniveau (=positiver Nebeneffekt von Push-Pull-Strategie) die Zuverlässigkeit der Bauwirtschaft festigen und ausbauen;

  • KMUs

Besonderes Augenmerk auf KMUs, um eine Überforderung des Gesamtmarktes zu vermeiden;

  • Soft Landings (sanfter Übergang)

Definition einer „Übergangsphase“ (Soft Landings), in der der Auftraggeber / Immobilienbetreiber begleitet wird, um in vollem Umfang den Nutzen aus den gelieferten Daten ziehen zu können und auch um die Erkenntnisse während einer Be- triebsphase wieder in der Bauwirtschaft verfügbar zu machen;

  • Zeithorizont

Konkretes Ziel ist, im Verlauf der nächsten 5 Jahre für Großvorhaben integrierte modellorientierte Arbeitsweisen in einem noch zu definierenden Umfang schrittweise einzuführen.

Bauen Digital GmbH*

Herr Wernik (LÉON WOHLHAGE WERNIK –> Link, Vorsitzender der Geschäftsführung von buildingSMART e. V. –> Link) konnte in seinem Vortrag verkünden, dass am 8. 9. 2014 von Verbänden der deutschen Bauindustrie beschlossen wurde, eine GmbH als eine deutsche BIM Task Group  zu gründen und diese „Bauen Digital GmbH – Gesellschaft zur Digitalisierungs des Planens, Bauens und Betreibens“ zu nennen.

Unterstützung für die Bauen Digital GmbH

Unterstützung für die Bauen Digital GmbH

[N.B: NN steht dafür, dass bei der Bauen Digital GmbH die Türen für jeden offen stehen, sei es Verband, sei es Privatperson, um sich dieser Initiative anzuschließen] Die Mission der neuen GmbH liest sich wie folgt:

  • beschleunigte Einführung von BIM in Deutschland koordinieren und unterstützen;
  • Vermeidung von Überlappung und Lücken der erforderlichen Aktivitäten;
  • Priorisierung und Delegation von Aufgaben;
  • bündelnde Kommunikation.

* 2015-02-20:
Heute wurde von den Verbänden der Planungs-, Bau- und Immobilienwirtschaft die
„planen-bauen 4.0 – Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens mbH“.
Siehe auch Pressemitteilung von buildingSMART e. V. –> Link.

Meine Präsentation mit dem Titel: „BIM-Aktivitäten außerhalb und innerhalb Deutschlands“ können Sie bei Slideshare finden (–> Link).

buildingSMART International

Herr Dr. Liebich (AEC3 Deutschland GmbH, –> Link) stellte die Normungs- und Standardisierungsaktivitäten bei ISO und CEN bzw. buildingSMART International vor. In meinem Blog habe ich des Öfteren bereits die BIM-Entwicklungskurve von Bew & Richards oder Varianten davon als Grafik eingebunden oder besprochen. Gerade auch deshalb fand ich die Variante von buildingSMART International sehr interessant, die ich übersetzenderweise aufgearbeitet habe:

Links zum Glossar:

Links zum Glossar: BIM, IFC, CV, COBie, MVD, BCF, LOD

VDI 3805 – international

Herr Dr. Manfred Pikart vom Bundesindustrieverband Deutschland – Haus-, Energie- und Umwelttechnik e. V. (BDH, –> Link) stellte die Normungsaktivitäten vor, bei denen die VDI-Richtlinie 3805 „Produktdatenaustausch in der Technischen Gebäudeausrüstung“ die Basis für die Erarbeitung der ISO 16757 bildet (–> Link).

Anwendung eines Standards: Revit®-plug-in für DIN SPEC 91400

DBDBIMÜber die Erarbeitung der DIN SPEC 91400 habe ich bereits in einem früheren Blog-Eintrag berichtet (s. ‚Eine fach- und silo-überspannende Bauklassifikation für den deutsch-sprachigen Raum? [u]–> Link). Herr Dr. Klaus Schiller, Dr. Schiller & Partner GmbH – Dynamische BauDaten (–> Link) erörterte die ‚BIM-Klassifikation nach STLB-Bau‚. Die Idee ist, dem Anwender ein Hilfsmittel zu geben, ein Bauteil standardisiert, menschen- und maschinenlesbar (=“GUID-isch“) zu spezifizieren sowie den offenen und neutralen IFC-Datenaustausch an den dafür vorgesehenen Stellen so zu füllen, dass der Daten-Empfänger diese Bauteileigenschaften genauso wie abgeschickt bekommt und weiterverarbeiten kann. Während es die Klassifikation zum einen als ’neutrale‘ IFC-Datei zum Herunterladen geben wird (Ende 2014), so wird DBD – als eine erste Anwendung der DIN SPEC – auch eine DBD-BIM-Schnittstelle anbieten, die darüber hinaus noch Folgendes bietet:

  • Verknüpfung mit nationalen und internationalen Klassifikationen (DIN 276-1, OmniClass™, Uniclass2, etc.)
  • BIM-integriertes Fachwissen (z.B. Regeln der Technik)
  • Modellbasierte Leistungsbeschreibungen
  • Modellbasierte Mengen-Wert-Gerüste für Kostenermittlungen

Was ich aber besonders spannend finde ist, dass auch gleich ein Revit®-plug-in angeboten wird (zur BAU 2015 in München), das neben den oben genannten Verknüpfungen auch dafür sorgt, dass die standardisierten Bauteileigenschaften sowohl im IFC-Import als auch IFC-Export enthalten sind – und das direkt aus Autodesk Revit® heraus!

VDI-Koordinierungskreis „Building Information Modeling“

Bereits im Dezember 2013 wurde beim VDI ein Koordinierungskreis ‚Building Information Modeling‘ gegründet (KK-BIM –> Link), deren Vorsitz Herr Prof. Rasso SteinmannInstitut für angewandte Bauinformatik e. V. an der Hochschule München (IABI, –> Link) übernommen hat. (Still ruht der See?!). VDI_Agenda_BIMDieser hat nun eine Agenda erarbeitet (–> Link), die folgende Handlungsfelder umfasst:

  • Mensch

Eine klare Definition der Verantwortlichkeiten und Rollen ist bei der BIM-Anwendung der erste und zugleich einer der wichtigsten Schritte.

  • Technologie

Die BIM-Technologie sollte im Rahmen der Regelsetzung so beschrieben werden, dass Aspekte wie z. B. Datenaustausch, Datenmanagement oder Mengenermittlung in den Richtlinien standardisiert sind.

  • Prozesse

Im Rahmen der Richtlinienarbeit zu Prozessen sollen Themen wie ‚Anforderungen an die Planung und den Ablauf‚ oder ‚Qualitätskriterien für Informationen, Ausschreibung versus Angebot‚ betrachtet werden.

  • Rahmenbedingungen 

Bei den Rahmenbedingungen sind muss ein Abgleich mit den existierenden Regelungen stattfinden, beispielsweise mit der VOB und der HOAI.

Zitat aus der Agenda des VDI KK-BIM: „Die deutschen Besonderheiten bei der Planung, Erstellung und dem Betrieb von Bauwerken macht eine nationale Regelsetzung jedoch in jedem Fall erforderlich. Diese maßgeblich durch den VDI– Koordinierungskreis BIM getriebene nationale Regelsetzung soll weiterhin die Grundlage für den deutschen Standpunkt zu einer in absehbarer Zukunft folgenden internationalen Normung (ISO) sein.“ Zwischen dem DIN Deutsches Institut für Normung e. V. und dem VDI in Sachen BIM wurde ein Einvernehmen über die Arbeitsteilung erreicht. Der VDI ist die maßgebliche Stelle für die nationale BIM-Regelsetzung. Jedoch wenn es darum geht, diese Regeln in die Welt, d. h. zu CEN und zu ISO zu tragen, ist dies die Aufgabe des DIN Deutsches Institut für Normung e. V. Dies wurde in der abschließenden Podiumsdiskussion auch deutlich.

Machen Sie mit!

IMG_1555 Wenn eine Europäische Norm erarbeitet wird, so werden jeweils in den Mitgliedsländern der europäischen Normungsorganisation CEN – worunter auch Deutschland – sogenannte Spiegelgremien mit Vertretern aller nationalen interessierten Kreise gebildet. In diesem Spiegelgremium wird daraufhin – im Konsens (!) – eine Meinung zu den zur Diskussion stehenden Themen gebildet. Diese Meinung wird dann von einem entsandten Vertreter bei der Arbeit des europäischen Normungsgremiums eingebracht. Eine Besonderheit ist, dass alle auf CEN-Ebene erarbeitete Europäischen Normen – im Gegensatz zu den Internationalen Normen auf ISO-Ebene – automatisch ins deutsche Normenwerk übernommen werden müssen, also automatisch deutsche Normen werden. Einer frühzeitigen Einflussnahme kommt hierbei also eine große Bedeutung zu! Bei der Podiumsdiskussion ging es genau um ein solches deutsches Spiegelgremium, da bereits Ende des Jahres 2014 (!) mit höchster Wahrscheinlichkeit bei CEN ein sogenanntes Technisches Komitee gegründet wird, das die zukünftigen europäischen Normungsarbeiten zum Thema BIM koordinieren soll.

Alle interessierten Kreise in Deutschland sind also aufgerufen, Vertreter in dieses Spiegelgremium beim DIN zu entsenden, um Deutschland eine fundierte Stimme bei den Normungsarbeiten zu BIM auf europäischer Ebene zu geben! Auch Sie sind damit gemeint!

[N.B: Hier können Sie Kontakt zum Ansprechpartner im Normenausschuss Bauwesen (NABau) im DIN aufnehmen: –> Link]

Ergebnis

Nach einer kurzen Kaffeepause wurden den Teilnehmern die folgenden Punkte als Ergebnis des Workshops präsentiert:

  • Gründung der „Bauen Digital GmbH“ wird durch die Anwesenden begrüßt.
  • Die Gesellschaft bündelt die Interessen der Bauwirtschaft.
  • Pränormative Richtlinienarbeit zur Umsetzung des Standes der Forschung im Markt wird begrüßt.
  • Der sich anschließende Stand der Technik wird in die Normung überführt werden.
  • DIN wird hierzu ein entsprechendes Gremium etablieren und zu einer Auftaktsitzung einladen.
  • Dieses DIN-Gremium ist für die europäische und internationale Spiegelarbeit verantwortlich.
  • Die Partner DIN/VDI/Bauen Digital GmbH werden ihre Zusammenarbeit daraufhin abstimmen, dass keine Doppelarbeiten entstehen.
  • Weitere Regelsetzer sind ausdrücklich eingeladen, an der Zusammenarbeit teilzunehmen.

Mein Resümee

Es ist festzustellen, dass Deutschland in Sachen BIM weit hinter dem zurückhängt, was andere – auch europäische Staaten – uns bereits jahrelang vormachen. Aber: Da tut sich ja doch ‚was in Deutschland in Sachen BIM! Aber jetzt ist es nicht die Zeit wie Herr Dr. Thomas Liebich (AEC3 Deutschland GmbH, –> Link) sehr trefflich formulierte: „Zu schauen was für fünf Sachen noch nicht funktionieren, sondern zu realisieren, dass bereits fünf Sachen funktionieren. Es gilt jetzt, mit diesen anzufangen, um dann die noch nicht funktionierenden Sachen anzugehen!“ Es bleibt bzw. wird spannend (in Deutschland)! Ich werde darüber berichten! Schauen Sie doch wieder einmal vorbei! Machen Sie es sich einfach und abonnieren Sie meinen Blog und empfehlen ihn weiter! Es würde mich freuen!

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2 Gedanken zu “Da tut sich ja doch ‚was in Deutschland!

  1. Danke für die interessanten Einblicke! Da tut sich ja wirklich langsam immer mehr.. 😉 Und auf das Revit-Plugin bin ich besonders gespannt!

    • Danke und gern geschehen!

      Wenn das Revit-Plug-in erhältlich ist, werde ich darüber berichten!

      K. Stuhlmacher

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