Klassifizierungen klassifizieren. Aber was? Ein Vergleich

Was kann man nicht alles gruppieren, ordnen und klassifizieren. Ordnung ist das halbe Leben (?). Auch im Bauwesen.

Kostenaufstellungen können mit Hilfe der DIN 276 gegliedert werden. Wenn man’s lieber ausführungs- oder gewerkeorientiert aufgeteilt haben möchte, kann man dazu auch die „Leistungsbereiche entprechend dem Standardleistungsbuch (STLB-Bau) oder die Gewerke (ATV) nach VOB/C … verwenden“.

Aber es geht noch weiter: Die DIN SPEC 91400 klassifiziert Bauteile – ausgehend von STLB-Bau – und ermöglicht es dem Anwender BIM-Objekte nicht nur zu klassifizieren, sondern auch standardisiert (!) zu beschreiben.

Wenn man über die Landesgrenzen, z. B. nach Großbritannien, schaut, so ist schnell von COBie und dem benutzten Uniclass die Rede, Uniclass taucht aber auch z. B. beim Ausschreibungssystem NBS Create auf, das wiederum im engen Zusammenhang mit BIM steht.

Grund genug sich die Dinge einmal näher anzuschauen.


Links


Klassifizierungen von Kostengruppen und Teilleistungen – DIN 276 und STLB-Bau
Klassifizierungen von Kosten und Teilleistungen – DIN 276 und STLB-Bau

Vor kurzem habe ich die folgende Definition für „Klassifikation“ gelesen:


„Systematische Anordnung von Titeln und Untertiteln für Aspekte des Bauwesens und somit auch für Anlagen, Bauelemente, Systeme und Produkte.“
[s. Link zur Bestimmung von Produktdaten]


Das heißt ja, dass die Klassifikationsobjekte, also die Inhalte, die gruppiert werden, bei einer Klassifikation zunächst außen vor bleiben. Ist das so z. B. bei der DIN 276 [ja] oder bei der DIN SPEC 91400 [nee, oder?]?

Die DIN 276 gruppiert Kosten. Die Gliederung ist dabei so aufgebaut, dass jede Ebene für sich alleine für eine unterschiedlche Stufe der Kostenermittlung herangezogen werden kann.

DIN SPEC 91400 – Ein Klassifikations- und Beschreibungssystem für das Building Information Modeling (BIM)
DIN SPEC 91400 – Ein Klassifikations- und Beschreibungssystem für das Building Information Modeling (BIM)

Mit der DIN SPEC 91400 kann man Bauteile für BIM klassifizieren, aber eben auch beschreiben. D. h., dass in diesem Fall die Inhalte der Gliederung nicht außen vor bleiben, sondern Teil des Ganzen sind. Aber das muss unter dem Aspekt der Weiterverarbeitbarkeit der von BIM bereitgestellten Daten auch so sein:

§7 Absatz 1 Nr. 1 VOB/A sieht vor, dass …


„Die Leistung … eindeutig und so erschöpfend zu beschreiben [ist], dass alle Unternehmen die Beschreibung im gleichen Sinne verstehen müssen und ihre Preise [Hervorhebung durch den Autor] sicher und ohne umfangreiche Vorarbeiten berechnen können.“


Ein Anbieter kann die – diesen Preisen zugrunde liegenden – Kosten eigentlich nur dann sicher berechnen, wenn die Bauteilmengen und die (mit Geld bewerteten) Bauteileigenschaften bekannt sind:

Baukosten = Bauteilmengen x mit Geld bewerteten Bauteileigenschaften

Aus einem Bauinformationsmodell kann man die Mengen und diejenigen Bauteileigenschaften auslesen, mit denen die BIM-Objekte schon attribuiert wurden. Die Standardisierung der DIN SPEC 91400 bis in die Merkmale und ihre Ausprägungen hinein garantiert dabei, dass jeder diese ausgelesenen Daten „im gleichen Sinne“ verstehen kann.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Verknüpfung zu den BIM-Objekten auf diese Art eine viel engere sein kann. Im Fall der Verknüpfung mit Ausschreibungstexten (z. B. mit STLB-Bau) kann eine ansonsten nur sehr schwer erzielbare Kongruenz zwischen Bauinformationsmodell und Leistungstext hergestellt werden. Eine Änderung eines Maßes im Modell hat direkte Auswirkungen auf den Leistungstext und somit auf den Preis:

Ändert sich der Text, so ändert sich die Leistung. Ändert sich die Leistung, so ändert sich der Preis!

Uniclass 2015 – Ein System in sich geschlossener jedoch auch untereinander in Beziehung stehender Klassifikationen für das Bauwesen
Uniclass 2015 – Ein System in sich geschlossener jedoch auch untereinander in Beziehung stehender Klassifikationen für das Bauwesen

Und wie macht das das Ausland? Uniclass 2015, die vereinheitlichte Klassifikation für das Bauwesen in ihrer aktuellen Fassung, bietet dem Anwender ein System in sich geschlossener, jedoch auch untereinander in Beziehungen stehender Klassifikationen für das Bauwesen. U. a. bietet sie eine Klassifikation für gesamte Projekte (complexes), eine für bauliche Einheiten (entities), eine für Bauelemente (elements), eine für die  Komponenten dieser Bauelemente (systems) und schlussendlich eine für Produkte (products), aus denen die Systeme hergestellt werden.

Das britische Ausschreibungssystem NBS Create wird mit dem Slogan „built for BIM“ (für BIM entwickelt) beworben. Im Gegensatz zur DIN SPEC 91400 definiert/standardisiert Uniclass 2015 die zum Bauteil gehörenden Merkmale und die dazugehörigen Ausprägungen jedoch nicht. Die Verknüpfung zum BIM-Objekt wird nur über die Uniclass 2015-Klassifikation für Systeme (systems) hergestellt. Für eine tiefgreifende Kongruenz zwischen Leistungsbeschreibung und Bauinformationsmodell erscheint dies etwas wenig. (Siehe zu dem Thema auch den Eintrag „Architektur- und Ausschreibungsmodell synchron – NBS Create„)

Man muss aber hinzufügen, dass die NBS Create-Leistungstexte (specifications) weder Kosten, Mengen noch Zeichnungen enthalten (müssen). Durch die Aufgabenteilung zwischen Planer/Ausschreibendem (specifier) und Kostenplaner (quantity surveyor) ist dies auch so gewollt.

Bei den Vorbereitungen für diesen Blog-Eintrag habe ich mich an John Gelder gewendet, der maßgeblich an der Entwicklung von Uniclass 2 und jetzt Uniclass 2015 beteiligt war und derzeit Dozent an der University of South Australia in Adelaide ist. Ihm sei hiermit mein herzlicher Dank für seine Erläuterungen kundgetan!

Es bleibt spannend! Schauen Sie doch einfach mal wieder vorbei! Oder machen Sie es sich einfach, abonnieren Sie meinen Blog und empfehlen ihn weiter! Gerne höre ich von Ihnen und empfange Ihre Bewertungen (s. u.)!

Mit freundlichen Grüßen aus Berlin!

Konrad Stuhlmacher

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