little bim … und wann soll ich selber den Sprung ins kalte Wasser wagen? BIM

BIM: Taking the plunge

Wann ist es Zeit, den Sprung ins kalte BIM-Wasser zu wagen?

Auch die lange (!) Reise hin zur Integrierte Projektabwicklung (IPD (s. letzter Blog-Eintrag; –> Link) beginnt für jeden Einzelnen mit dem ersten Schritt!

Wann ist für mich die richtige Zeit, den Sprung ins Unbekannte, ins kalte BIM-Wasser zu wagen?

Vor kurzem habe ich einen Blog-Eintrag „Zu BIM wechseln – Sprung ins kalte Wasser: Wann ist die beste Zeit, den Wechsel zu BIM zu vollziehen?“ von Crawford Smith (tesseract-design; –> Link) zu diesem Thema gelesen. Ich möchte gerne im Folgenden darüber und über zwei damit zusammenhängenden Einträge des gleichen Autors, „Hol das meiste aus BIM heraus – werde ein BIM-Experte“ („Get the Most out of BIM – Be a BIMwit!“; –> Link) und „Noch weiter springen – zusätzliche Gedanken über den Wechsel zu BIM“ („Taking the Plunge Further – More Thoughts on Switching to BIM“; –> Link) berichten:

Crawford Smith ist einer, der den Sprung ins kalte BIM-Wasser schon vor einiger Zeit vollzogen hat und jetzt anderen dabei hilft, diesen Schritt zu meistern. Dabei hat er ein kleines Architekturbüro in den USA und wickelt auch eigenständig Architektur-Projekte ab. Beim Arbeiten mit Bauwerksinformationsmodellen (m. E. zunächst ’nur‘ „little bim“; s. auch „Wieviel BIG BIM steckt im BIM-Level 3?„; –> Link) sieht er vor allem die folgenden vier Vorteile:

BIM = Mehr Zeit für den Entwurf

Smith beleuchtet hierbei den Aspekt, dass man beim objektorientierten Arbeiten mit einem BIM-tauglichen CAD-Programm einen großen Teil der notwendigen Zeichnungen (jederzeit!) aus dem Modell generieren kann – bei gegebener Kohärenz!

Vorteile von BIM - Mehr Zeit für den Entwurf

Vorteile von BIM – Mehr Zeit für den Entwurf

 BIM = Bessere Entwurfsdarstellung & Kommunikation mit dem Kunden

Wenn man seinen Entwurf bereits aus 3D-Objekten zusammensetzt, so kann der Planer schnell interessante und für den Entwurf sprechende Ansichten generieren. Hierbei kann sie/er davon ausgehen, dass die Abbildung verständlich ist, ohne dass das Gegenüber Pläne lesen können muss. Die Idee des dreidimensionalen Entwurfes kann ohne Hin- und Herübersetzungen in 2D-Pläne vermittelt werden:

Vorteile von BIM - Bessere Vermittlung von Entwurfsideen

Vorteile von BIM – Bessere Vermittlung von Entwurfsideen

BIM = Bessere Koordination zwischen den Fachdisziplinen

Wenn die anderen Fachdisziplinen wie Statik und/oder Haustechnik auch mit BIM-Werkzeugen arbeiten, kann der Planer diesen das Modell als Arbeitsgrundlage zur Verfügung stellen. Somit können sie ihr Expertenwissen direkt ins Modell einfließen lassen, also ohne große Umwege – im Idealfall auch ohne Medienbrüche!

Vorteile von BIM - Bessere Kommunikation zwischen Fachdisziplinen

Vorteile von BIM – Bessere Kommunikation zwischen Fachdisziplinen

BIM Firmen = Als progressiv angesehen = Attraktive Arbeitgeber

Allerorten hört man vom Fachkräftemangel. Wenn sich eine Firma dem Arbeiten mit Bauwerksinformationsmodellen (BIM) verschrieben hat, zeigt sie sich als ein Unternehmen, das sich der Digitalisierung nicht verschlossen, sondern eher gestellt hat und gewinnt dadurch bei Arbeitnehmern und -gebern an Attraktivität. Das kann im Bemühen um gutes Personal nur von Vorteil sein:

Vorteile von BIM - progressiv - attraktiv

Vorteile von BIM – progressiv – attraktiv

„Nur die BIM-Sprache zu sprechen ist nicht genug; ein Unternehmen muss auch den BIM-Gang gehen!“

Was will uns der Fachmann damit sagen? Auf den Nenner gebracht, kann man es wohl folgendermaßen übersetzen: „Wenn schon, denn schon!“. Das Arbeiten mit Bauwerksinformationsmodellen erfordert eine andere, eine ganzheitliche Herangehensweise! Daher ist es nicht genug, wenn Bauzeichner sich dieser Methode bedienen, nein, sie muss von der gesamten Firma getragen, ja gelebt werden:

Arbeiten mit BIM - Jeder (!) soll ein Vogelhäuschen modellieren können!

Arbeiten mit BIM – Jeder (!) soll ein Vogelhäuschen modellieren können!

„Das größte Hindernis, das ein Unternehmen bei einer erfolgreichen Einführung eines BIM-Programms zu überwinden hat, ist die diesbezügliche Verständnislosigkeit auf der Führungsebene!“

Um das Arbeiten mit Bauwerksinformationsmodellen zu verstehen, muss man auch einmal selbst Hand angelegt haben. Hiermit meint Crawford Smith aber nicht nur die Modellierer oder die Praktikanten, nein, alle die beim Projekt auf irgendeine Weise mit dem Entwurf zu tun haben:

„Meine Empfehlung lautet, dass jede Person, die innerhalb des Projektteams eine Rolle mit Entwurfsbezug innehat, dazu in der Lage sein sollte, ein Vogelhäuschen zu entwerfen und eine Anzahl einfacher Zeichnungen zu generieren, die den Entwurf  zum Ausdruck bringen. Dies gilt sowohl für den Leiter des gesamten Teams als auch für den neuesten Praktikanten.“

Tipp: Klein oder einfach anfangen!

Der Schritt zum Arbeiten mit Bauwerksinformationsmodellen will vorbereitet sein. Man sollte sich zum Beispiel überlegen, mit welchem Projekt man anfangen möchte:

„Im Allgemeinen lautet meine Empfehlung an meine Kunden, im Kleinen mit BIM anzufangen! Im Grunde genommen ist jeder Auftrag, der mehr umfasst als Grundrisse, ein gutes erstes Projekt für BIM: Jedes Projekt, das Aufrisse, Schnitte und Stücklisten umfasst, die alle viel einfacher mithilfe von BIM als mit einem 2D-Prozess generiert und aktualisiert werden können.“

„Man sollte auf keinen Fall für seine ersten BIM-Schritte ein zu kompliziertes Projekt auswählen, sondern sich noch etwas Bewegungsraum für das Hantieren mit der Lernkurve übrig lassen. Beim Auswählen des ersten BIM-Projektes muss man also nicht im Kleinen, aber auf jeden Fall einfach beginnen.“

BIM-Lernkurve

Die ‚Lernkurve‘ ist ein gutes Stichwort! Das bedeutet ja von vornherein, dass eine Entwicklung stattfinden wird, mit Höhen und Tiefen. Daher ist es wichtig, dass man nicht gleich in die Vollen steigt, d. h. ein Projekt aussucht, mit dem es Geld zu verdienen gilt. Ich lese den Blog auf tesseract-design.com so, dass man mit ‚little bim‘ anfangen sollte, um seine BIM-Reise zu beginnen:

„Eine weitere Empfehlung an meine Kunden lautet, zunächst einmal einen Probelauf mit einem kleinen Projekt zu machen, das bereits abgeschlossen ist. Auf diese Weise lässt sich die Gefahr, Fehler zu machen, auf effektive Weise neutralisieren. Zudem können Anfängerfehler, die mit dem Wechsel zu einem neuen Programm einhergehen, aus dem Weg geräumt werden, bevor es bei einem bezahlten Projekt ernst wird.“

BIM-Lernkurve - nicht ohne Tiefen!

BIM-Lernkurve – nicht ohne Tiefen!

Drei Projekte, um zu wissen wo’s lang geht …

„Im Allgemeinen muss ein Team drei Projekte abgewickelt haben, bis es genug Erfahrungen gesammelt hat, um das Potential einer BIM-Software gänzlich auszuschöpfen. Beim Planen der Lernkurve sollten also drei Projekte betrachtet werden – es werden während dieser drei ersten Projekte Dinge auftreten, die Probleme verursachen.

Aber vor allem sollte man sich NICHT entmutigen lassen. Man sollte sich vor Augen halten, dass die Anfangsprobleme bei frühen BIM-Projekten langfristig mit einem besseren Entwurfsprozess belohnt werden.

Wann anfangen? JETZT!

Crawford Smith meint, dass die BIM-Vorteile (s. auch oben) für jedes Architekturbüro überzeugend sein sollten:

BIM bietet jedoch besondere Vorteile, die sowohl einem Ein-Personen-Unternehmen als auch einem großen Büro mit mehreren Standorten zugute kommen können.“

Die Quintessenz aus seinen drei Blog-Einträgen möchte ich wie folgt zusammenfassen:

BIM ist da und lässt sich nicht mehr wegdiskutieren. BIM hat Vorteile, die jedem Büro die Arbeit erleichtern. Wenn man seine Tipps beachtet, so gibt es keinen Grund mehr, die ersten Schritte der BIM-Reise hinauszuzögern!

Man kann es auch noch einfacher ausdrücken – wie z. B. Herr Dr. Schiller im neuesten Eintrag seines Blogs ‚Der Schillernde Blick auf die Baubranche‘ (–> Link) : „BIM einfach machen!“

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Mit freundlichen Grüßen aus Berlin!

Konrad Stuhlmacher

‚Was‘, ‚Wie‘, ‚Wer‘, ‚Realisieren‘ einmal anders – Integrierte Projektabwicklung (IPD)

IPD_Guide_2007Jeder hat schon einmal vom ‚Frontloading‘ bei der BIM-Methode gehört, also vom Vorziehen von wichtigen Entscheidungen innerhalb des Bauprozesses, sehr einleuchtend ins Bild gesetzt durch die Macleamy Kurve. (z. B. auch als Abbildung 3.4 ‚Aufwandsverlagerung und Einfluss auf Kostenentwicklung‘ im BIM-Leitfaden für Deutschland der ARGE BIM-Leitfaden AEC3 & OPB 2013, –> Link)

Aber haben Sie das einmal genauer wissen wollen? Welche Entscheidungen sollen nach vorne gezogen werden und wie soll das vonstatten gehen? Integrated Project Delivery: A Guide (‚Integrierte Projektabwicklung – Ein Leitfaden‘–> Link) gibt Antworten.

Im Folgenden werde ich mir diesen Leitfaden einmal etwas genauer anschauen:

Was ist IPD? Der AIA-Leitfaden möchte die Integrierte Projektabwicklung als Methode sehen, um

„den Status quo fragmentierter Prozesse mit enttäuschenden Ergebnissen hin zu einem gemeinschaftlichen, Werte-basierenden Prozess zu transformieren, der dem gesamten Bauteam positive, bessere Ergebnisse beschert.“

Vergleich von Traditioneller Projektabwicklung mit IPD

Vergleich von Traditioneller Projektabwicklung mit IPD

Die ‚frühen Wissens- und Erfahrungsbeiträge‘ (s. Rubrik ‚Prozesse‘ in der obigen Gegenüberstellung) führen im Unterschied zu traditionellen Methoden zu Aufwandsverschiebungen, dem schon zuvor erwähnten ‚Frontloading‘. Da somit auch zusätzliche Inhalte in die frühen Prozessphasen aufgenommen werden, liegt es nahe – wie im IPD-Leitfaden auch vorgenommen – die althergebrachten Phasen-Bezeichner zu ändern. Das Amerikanische Architekten-Institut (AIA) schlägt die folgenden neuen Bezeichner vor, wobei es zu beachten gilt, dass hier der US-amerikanische Bauprozess Pate gestanden hat:

IPD resultiert in neuen Phasen-Bezeichnungen

IPD resultiert in neuen Phasen-Bezeichnungen

Welche Aufgaben galt es, in den traditionellen (USA) Prozessphasen abzuarbeiten und was verändert sich im Vergleich dazu bei IPD?

Die alten Prozessphasen (USA) mit den neuen (= integriert (IPD)) verglichen

Die alten Prozessphasen (USA) mit den neuen (= Integriert (IPD)) verglichen

IPD mit BIM = Zweimal Bauen = Zweimal mit dem gleichen Team!

In der obigen Darstellung deutet sich schon an, wie die Verschiebung des ‚Entscheidungsberges‘ vor sich gehen soll. Der Clou bei der Integrierten Projektabwicklung ist es, alle wichtigen Prozessbeteiligten (Auftraggeber, Architekt, Fachplaner, Generalunternehmer, Sub- bzw. Fachunternehmer sowie die zuständigen Behörden!) möglichst schon während der Phase ‚Konzeptionierung‘ an einen Tisch zu holen, dann einander die verschiedenen Optionen darzulegen, gemeinsam zu evaluieren und Entscheidungen zu treffen.

Einschub: In den USA ist (traditionell) das Generalunternehmer-Modell die wohl üblichste Art der Projektabwicklung. Auch wenn der Generalunternehmer häufig selber für die Rohbauarbeiten zuständig ist, so ist es für eine auch zeitsparende IPD wichtig, Sub- bzw. Fachunternehmer insbesondere dann schon von Anfang an dabeizuhaben, wenn ihre Fachgebiete Bauobjekte umfassen, die eine lange Vorlaufzeit benötigen, die speziell angefertigt werden müssen oder die am besten präfabriziert werden. Die restlichen Unternehmungen werden dann während der Phase ‚Letzte Zuschlagserteilung‚ bestimmt und vertraglich gebunden.

Der ‚Entscheidungsberg‘ hängt sowohl eng mit dem Zeitpunkt, an dem die beteiligten Parteien beginnen, aktiv an der Prozessabwicklung teilzunehmen, als auch mit der Dauer ihrer Teilnahme zusammen. Der traditionelle US-basierte Bauprozess liefert für die bereits benannten Parteien folgendes Balkendiagramm:

Traditionell (USA): Teilnahmedauer von Projektparteien u. Findungsphasen für Entscheidungen

Traditionell (USA): Teilnahmedauer von Projektparteien u. Findungsphasen für Entscheidungen

Einschub: Dem aufmerksamen Leser ( 😉 ) wird wahrscheinlich aufgefallen sein, dass sich hier ein kleiner, mir aber dennoch erwähnenswerter Unterschied zwischen dem amerikanischen und dem deutschen (traditionellen) Bauprozess auftut. Während die Deutschen in Leistungsphase 4 ‚Genehmigungsplanung‘ ihre Projekte von den Bauämtern absegnen lassen und sich danach an die Ausführungsplanung machen, so legen die Amerikaner erst ihre Ausführungsdokumente den Behörden zur Genehmigung vor. Diese und andere Unterschiede werde ich in einem späteren Blog-Eintrag untersuchen, in dem ich auch auf andere Probleme eingehen möchte, die einer Einführung von IPD bei (öffentlichen) deutschen Bauprojekten entgegenstehen.

Dem traditionellen Bauprozess gehört nun der Bauprozess nach IPD zum Vergleich gegenübergestellt:

Integriert (IPD): Teilnahmedauer von Projektparteien u. Findungsphasen für Entscheidungen

Integriert (IPD): Teilnahmedauer von Projektparteien u. Findungsphasen für Entscheidungen

Eine Kombination der obigen Darstellungen (Macleamy Kurve und die beiden Balkendiagramme) im direkten Vergleich können Sie hiermit aufrufen: –> Link.

Der Leitfaden bespricht nicht nur die einzelnen Phasen des Bauprozesses, die Aufgaben der wichtigsten teilnehmenden Parteien und die Ergebnisse pro Phase, sondern behandelt auch rechtliche Fragen zu verschiedenen Formen, die das Joint Venture der Parteien annehmen kann, welches mit dem Auftraggeber zusammen die Projektabwicklung gestalten soll.

Ein weiteres Thema ist auch die (vertraglichen) Konstellationen zwischen dem Auftraggeber, dem Architekten und dem (General-) Unternehmer. Hier geht der Leitfaden von den existierenden Projektabwicklungsmodellen aus und wägt die Vor- und Nachteile ab und damit auch, ob diese Modelle eine integrierte Projektabwicklung ermöglichen:

Für IPD geeignet? Projekt-Abwicklungsmodelle im Vergleich

Für IPD geeignet? Projekt-Abwicklungsmodelle im Vergleich

Die obige Darstellung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und auch nicht die der reinen Lehre, sprich es treten auch Mischformen von den Modellen auf wie z. B. zwischen ‚Entwurf, Vergabe u. Bauausführung‚ und ‚Viele Hauptunternehmer‚.

Zitat aus dem IPD-Leitfaden:
„Es versteht sich, dass die integrierte Projektabwicklung (IPD) und Arbeiten mit Bauwerksinformationsmodellen (BIM) voneinander verschiedene Konzepte darstellen – das erste ist ein Prozess und das zweite ein Werkzeug. Es wird sicherlich integrierte Projekte geben, die ohne BIM abgewickelt werden und so wird wohl auch BIM in nicht-integrierten Prozessen angewendet. Möchte man jedoch den größtmöglichen Nutzen aus beiden ziehen, aus IPD und BIM, so funktioniert dies nur, wenn beide zusammen benutzt werden.“

Wenn ich mir dieses Zitat und die Darstellung der Projekt-Abwicklungsmodelle zusammen anschaue, so beschleicht mich ein Gefühl der Unsicherheit, ob es in Deutschland überhaupt auf absehbare Zeit möglich sein wird, „den größtmöglichen Nutzen aus beiden [zu] ziehen, aus IPD und BIM?! Genau die beiden Modelle „Viele Hauptunternehmer“ und „Entwurf, Vergabe und Bauausführung“ haben hierzulande doch einen recht hohen Anteil an den Bauprojekten.

In diesem Blog-Eintrag habe ich mir den IPD-Leitfaden des Amerikanischen Instituts für Architekten (AIA) angeschaut und somit fast zwangsweise auch nur den traditionellen Bauablauf wie er (noch) in den USA üblich ist mit dem angestrebten IPD-Prozess verglichen. In einem der kommenden Blog-Einträge werde ich mir den traditionellen Bauablauf in Deutschland vornehmen und dann diesen mit dem hier dargestellten IPD-Prozess vergleichen!

Es bleibt also spannend! Schauen Sie doch einfach mal wieder vorbei! Oder machen Sie es sich einfach, abonnieren Sie meinen Blog und empfehlen ihn weiter! Gerne höre ich von Ihnen und empfange Ihre Bewertungen (s. u.)!

Mit freundlichen Grüßen aus Berlin!

Konrad Stuhlmacher

Wunschliste für Nationale BIM-Bibliothek

imagesWarum nicht von anderen lernen? Im Rahmen des BMWi geförderten Sonderprojekts Innovation mit Normen und Standards (INS; –> Link) dürfen wir für das DIN Deutsches Institut für Normung e. V. (–> Link) das Projekt „Nationale Bibliothek für BIM-Objekte (INS 1265)“ (–> Link) bearbeiten.

[N. B: Einen guten Überblick über die Britische Nationale BIM-Bibliothek gibt ein Blog aus Indien: http://www.revitmodelingindia.com/benefits-using-nbs-national-bim-library/]

Analyse

Am Anfang steht – wie üblich – eine Analyse von Existierendem im In- und Ausland, um von Best Practice-Beispielen lernen zu können. Bei meinen Nachforschungen im Ausland hat sich ergeben, dass viele den Bedarf erkannt haben und entweder in den Startlöchern stehen, um etwas Ähnliches einzurichten, oder bereits damit angefangen haben. Ich hoffe, dass sich daraus einige Möglichkeiten zur Zusammenarbeit ergeben!

NATSPEC LogoEine hat sich bereits aufgetan. NATSPEC (–> Link), eine gemeinnützige Organisation, die u. a. ein Standardleistungsbuch für Australien herausgibt, wurde gerade beauftragt, eine BIM-Bibliothek zusammenzustellen, so dass sie sich gerade in der gleichen Phase befinden. Da NATSPEC ebenfalls ICIS-Mitglied ist, war die Idee schnell geboren, eine Umfrage unter ICIS-Mitgliedern zu starten, um zu erfahren, was diese in Sachen BIM-Bibliotheken unternehmen.

Mit diesem Blog-Eintrag möchte ich Ihnen den Fragebogen vorstellen, den wir hierfür zusammengestellt haben. Wenn Sie wollen, können Sie sich auch daran beteiligen: https://de.surveymonkey.com/jsEmbed.aspx?sm=zHrYI9RehHLDjGL_2b26PT5Q_3d_3d.


Allgemein

Nationale BIM Bibliothek

NBS BIM-BibliothekJe mehr man sich von seiner BIM-Insel hin zum integrierten BIM (Level 3) bewegt, desto wichtiger werden Standards um problemlos miteinander kommunizieren zu können. Zentral stehen hier beim Modellieren die BIM-Objekte.Während es bereits einige Anbieter von BIM-Objekten gibt, so gibt es bislang nur wenige Institutionen, die generische als auch proprietäre BIM-Objekte in einem einheitlichen durchgängigen Format online mit dem Anspruch anbieten, dass dieses Format als Standard ‚ausstrahlt‘ und von jedem benutzt werden darf bzw. von jedem auch benutzt werden sollte.

Während es bereits einige Anbieter von BIM-Objekten gibt, so gibt es bislang nur wenige Institutionen, die generische als auch proprietäre BIM-Objekte in einem einheitlichen durchgängigen Format online mit dem Anspruch anbieten, dass dieses Format als Standard ‚ausstrahlt‘ und von jedem benutzt werden darf bzw. von jedem auch benutzt werden sollte.

Frage: Gibt es in Ihrem Land eine ‚Nationale Bibliothek für BIM-Objekte oder etwas Vergleichbares?

Antworten: Ja / Nein


Herunterzuladen: NBS Standard für BIM-Objekte [PDF] (englisch)Standard für BIM-Objekte

„Ohne genormten Inhalt kann es keine genormten Elemente geben.“ Um eine ‚Nationale BIM-Bibliothek‘ aufzubauen, bedarf es eines Konzeptes, am besten einer bereits standardisierten bzw. genormten Struktur für die BIM-Objekte

Frage: Gibt es in Ihrem Land einen Standard, eine Norm für BIM-Objekte?

Antworten: Ja / Nein


Datenformat für BIM-Objekte

Der internationale offene Standard für den Austausch von Gebäudemodellen ist IFC (ISO 16739). Der Im- und Export von IFC-Dokumenten ist jedoch in den unterschiedlichen Softwarelösungen verschieden umgesetzt, so dass mit IFC nicht immer alle Funktionalitäten übertragen werden können, die mit  proprietären Formaten möglich sind.

Daher gilt es sich beim Aufbau einer BIM-Bibliothek bewusst zu werden, in welchen Formaten die BIM-Objekte – neben IFC – noch angeboten werden sollen.

Frage: In welchen proprietären Formaten sollen die BIM-Objekte – neben dem offenen IFC-Format – noch angeboten werden?

Antworten: Autodesk® Revit® / Bentley AECOsim / Graphisoft ArchiCAD / Nemetschek Vectorworks / Tekla Structures / Andere

ISO 16739 ist inhaltlich das Gleiche wie IFC 4, die meisten Software-Zertifizierungen sind aber noch für IFC 2×3 ausgestellt.

Frage: Sollte eine BIM-Bibliothek sowohl IFC 4 als auch IFC 2×3 anbieten?

Antworten: Ja, beide / Nein, nur IFC 2×3 / Nein, nur IFC 4


prNS8360Benennung der BIM-Objekte

In manchen Ländern gibt es Bestrebungen auch die Benennung von BIM-Objekten zu standardisieren.

Frage: Gibt es in Ihrem Land einen Standard, der die Benennung von BIM-Objekten regelt?

Antworten: Ja / Nein


Grafische Informationen

interreg_objektbibliotek_dtuLevel of Information / Level of Detail / Level of Development

Ein BIM-Modell entwickelt sich weiter, zu verschiedenen Zeitpunkten werden verschiedene graphische und alphanumerische Informationen benötigt.

Eine Herangehensweise ist es, neben generischen Objekten auch proprietäre Hersteller-BIM-Objekte anzubieten, so dass durch den Austausch eines allgemeinen mit einem spezifischen BIM-Objekt auch ein Übergang im Detailierungs-/Informationsgrad erreicht werden kann.

Frage: Ist diese Herangehensweise ausreichend?

Antworten: Ja / Nein

Frage: Welche weiteren grafischen Extras sind für die generischen Objekte zusätzlich erwünscht?

Antworten: 2D / 2D-Symbole / Benötigte Abstandsflächen / Andere


Alphanumerische Informationen

Klassifikation

BIM kann Vieles, aber ein Zuviel an Information überfrachtet das System und macht es unpraktisch. Somit muss dafür gesorgt werden, dass die BIM-Objekte mit weiteren externen Informationen verknüpft werden können. Hierzu eignen sich vornehmlich externe Kataloge bzw. Klassifikationssysteme.

Leistungsbeschreibungen

Leistungsbeschreibungen, die als Kataloge zur Verfügung stehen, sind eine Art externe Information, die geradezu prädestiniert ist, direkt mit BIM-Objekten verknüpft zu werden.

Frage: Welche Klassifikation soll dazu benutzt werden, um die BIM-Objekte mit den Leistungsbeschreibungen zu verknüpfen?

imagesAntworten: OmniClass™ Table 21 Elements / OmniClass™ Table 22 Work Results / OmniClass™ Table 23 Products / Uniclass2 Table Ee – Elements / Uniclass2 Table Ss – Systems / Uniclass2 Table Pr – Products / Leistungstext-inhärente Klassifikation / Andere

Frage: Welche zusätzlichen Klassifikationen sollen zusätzlich angeboten werden (sei es als bereits angebotene Verknüpfung, sei es als Platzhalter für eigenverantwortliche Verknüpfung des Anwenders)?

Antworten: OmniClass™ / Uniclass2 / buildingSMART Data Dictionary (bSDD) / eCl@ss / Andere


COBie

Im Rahmen der Initiative der britischen Regierung bis zum Jahr 2016 BIM Level 2 für alle ihre Bauvorhaben einzuführen hat COBie als Datenformat eine tragende Rolle bekommen. Daher wird COBie im NBS BIM Object Standard eine sehr großer Platz eingeräumt.

Frage: Hat COBie in Ihrem Land einen ähnlichen Stellenwert und sollte daher standardmäßig in BIM-Objekte integriert werden?

Antworten: Ja / Nein


Merkmale

Auch bei den Merkmalen kommt es darauf an, dass sich sowohl die Systeme der Austauschpartner als auch die Austauschpartner selber untereinander verstehen, um zu wissen, was der andere meint. Daher ist eine standardisierte Merkmalsliste äußerst hilfreich.

Frage: Gibt es in Ihrem Land einen Standard, eine Norm, die Merkmalslisten standardisiert, so dass beim Aufbau der BIM-Bibliothek und beim Anlegen der BIM-Objekte darauf zurückgegriffen werden kann?

Antworten: Ja / Nein


bSDDInternational Framework for Dictionaries / buildingSMART Data Dictionary

Die Idee ist überzeugend: Ein zentraler Ort, an dem Listen, in verschiedenen Sprachen, mit eindeutig gekennzeichneten Merkmalen abrufbar sind, so dass die Kommunikation – auch über (Sprach-)Grenzen hinweg erleichtert wird. In der Praxis hat sich IFD/bSDD mit vielen Freiheitsgraden und nicht deutlich erkennbaren Kontrollinstanzen leider noch nicht durchgesetzt.

Frage: Würden Sie bSDD als Basis-Katalog für die Objekt-Merkmale Ihrer Nationalen BIM-Bibliothek heranziehen wollen?

Antworten: Ja / Nein


12_061-13_041_hoeringsrapport_v2014-01-30Klassifikation der Merkmale

Um die Aussagekraft von den benutzten Merkmalslisten pro BIM-Objekt-Typ auf gleichem Niveau zu halten und sicher zu stellen, dass die Daten für die unterschiedlichsten Fachrichtungen von Nutzen sind, gibt es Bestrebungen, die Merkmale selber zu klassifizieren.

Frage: Gibt es in Ihrem Land einen Standard, der die Merkmale selber klassifiziert?

Antworten: Ja / Nein


Was meinen Sie? Wenn es Ihnen in den Fingern juckt, die obigen Fragen zu beantworten, so können Sie das: https://de.surveymonkey.com/jsEmbed.aspx?sm=zHrYI9RehHLDjGL_2b26PT5Q_3d_3d

[N. B: Den Link zu einer englisch-sprachigen Version dieser Umfrage werde ich beizeiten einfügen!]

 

Vielen Dank für Ihre Kommentare!

Es bleibt also spannend! Ich werde über die Ergebnisse und die weiteren Schritte in unserem INS-Projekt berichten! Schauen Sie doch wieder einmal vorbei! Machen Sie es sich einfach und abonnieren Sie meinen Blog und empfehlen ihn weiter! Es würde mich freuen!

Bauanleitung für BIM-Objekte: ‚NBS BIM Object Standard‘ [neu!]

Herunterzuladen: NBS Standard für BIM-Objekte [PDF] (englisch)

NBS stellt seit 40 Jahren hersteller-neutrale Ausschreibungstexte mit dem Anspruch auf, Standards zu setzen bzw. mit gutem Beispiel voranzugehen.

Mit der National BIM Library (–> Link), der Online-Bibliothek für generische und hersteller-spezifische BIM-Objekte in Großbritannien, die Hand in Hand mit ihrem auf BIM abgestimmten Ausschreibungssystem ‚NBS Create‚ geht, hat NBS das Gleiche vor:

Standards setzen und Vorbild für andere sein. NBS bereitet also BIM-Objekte mit verschiedenen Informationsgraden (–> LoI) und den dazu passenden Geometrien (–> LoD) in einem konsistenten, aber auch strukturierten und einfach zu benutzenden Format auf. 

[N. B: Mit diesen Pfunden konnte NBS auch beim Wettbewerb rund um das ‚Digital BIM Toolkit‚ wuchern, den sie schließlich auch für sich entscheiden konnten. Siehe hierzu auch: NBS hat das Rennen gemacht: 1 Mio. £ für die Entwicklung vom ‘Digital BIM toolkit’‘ –> Link]

Jetzt hat NBS seinen Worten auch Taten folgen lassen und eine Anleitung zum Aufbau von BIM-Objekten veröffentlicht:  Den ‚BIM Object Standard, Version 1.1“ (–> Link).

Auf den ersten Blick mag das verwundern, da das britische Normungsinstitut BSI (–> Link) mit BS 8541-1 bis -4, bereits Teile einer Normenreihe veröffentlicht und mit den Teilen 5 und 6 weitere in Vorbereitung hat, die speziell die Regeln für das Anlegen von Bibliotheks-Objekten für Architektur, Ingenieur- und Bauwesen aufstellen. Aber diese (BSI-) Bibliotheks-Objekte sind nicht so eng mit anderen NBS-Diensten verbunden und sind auch nicht so auf die 2016 BIM-Ziele der britischen Regierung getrimmt.

Beim Lesen des Vorwortes fällt mir aus deutscher Sicht auch der letzte Satz auf:

„Ich zweifle nicht daran, dass der NBS Standard für BIM-Objekte die Zukunft von BIM beeinflussen wird, nicht nur im Vereinigten Königreich, sonder auch in der globalen Bauwirtschaft“ [?!]

Wieder einmal ein Zeichen dafür, dass es den Briten sehr daran gelegen ist, ihre Erfahrungen zu exportieren! Grund genug, sich den Standard einmal genauer anzusehen! Gut, das Eine sollte ich noch vorausschicken: Dieser Standard ist keine allgemeine Lektüre, sondern eine (Bau-)Anleitung mit spezifischen und einzeln nummerierten Regeln! Also eher etwas für Programmierer denn für einfache Anwender!

Der Standard teilt sich in fünf Teile auf:

  • Teil 1: Allgemeine Anforderungen
  • Teil 2: Anforderungen an die Informationen
  • Teil 3: Anforderungen an die Geometrie
  • Teil 4: Funktionale Anforderungen
  • Teil 5: Anforderungen an die Metadaten

Ich möchte jetzt hier nicht auf die Einzelheiten eingehen. Beim Studieren sind mir aber zwei Dinge aufgefallen:

  • Die große Bedeutung und damit der große Platz der hierbei COBie eingeräumt wird;
  • Die Konzentration auf IFC 2×3, obwohl mit der Veröffentllichung von ISO 16739 (März 2013) bereits IFC 4 veröffentlicht wurde.

Aus meiner Sicht weisen diese Punkte auf die Fokussierung auf das 2016 BIM-Ziel hin:

  • Um als Auftraggeber die BIM-Daten der Entwurfs- und Ausführungsphase auch in der Nutzungsphase weiterbenutzen und sie auch zur Grundlage weiterer Bauprojekte machen zu können, hat sich die britische Regierung dazu entschlossen, (weil Excel® jeder hat und anwenden kann!?) COBie als Austauschformat zu benutzen.
  • Die Fokussierung auf die Weiterverwendung der Daten in der Nutzungsphase ist m. E. auch der Grund für IFC 2×3. Während für IFC 2×3 bereits eine ‚FM Basic Handover View‚, also eine definierte Untermenge des IFC-Formats für die Übergabe von FM-relevanten Daten definiert wurde (–> Link), steht das für IFC 4 noch aus (?).

Diese Punkte und auch die enge Verzahnung mit NBS lassen eine 1:1-Übernahme in Deutschland fraglich erscheinen. Aber auf jeden Fall werde ich diesen neuen Standard für das Projekt einer deutschen nationalen BIM-Bibliothek (s. auch mein Vortrag vom BIM-Workshop des DIN, –> Link) als Referenz und Vorbild begutachten!

Es bleibt also spannend! Ich werde darüber berichten! Schauen Sie doch wieder einmal vorbei! Machen Sie es sich einfach und abonnieren Sie meinen Blog und empfehlen ihn weiter! Es würde mich freuen!

NBS hat das Rennen gemacht: 1 Mio. £ für die Entwicklung vom ‚Digital BIM toolkit‘

Die  NBS-Gruppe: "A digital tool for building information modelling"

Die NBS-Gruppe: „A digital tool for building information modelling“

Heute morgen (2014-09-23) mache ich meinen Rechner an und lese in Stephen Hamils Blog-Eintrag, ‚The BIM Toolkit‘ (–> Link), dass das von NBS (–> Link) geführte Team den Wettbewerb um die 2. und abschließende Phase gewonnen hat.

Über diesen Wettbewerb hatte ich hier in meinem Blog (s. ‚Britische Ausschreibung: Ein digitales Werkzeug für das Arbeiten mit Bauwerksinformationsmodellen‚, –> Link; ‚Und am 30. Juni ist die 1. Phase schon wieder vorbei …–> Link) bereits berichtet.

Jetzt ist es also entschieden.

Bei diesem ‚Digital BIM Toolkit‘ geht es darum, nach einem vorgefertigten Ablaufplan, dem RIBA Plan of Work (s. auch ‚Arbeitsablauf nach Maß – der RIBA Arbeitsplan 2013–> Link), ein Projekt abarbeiten zu können, wobei das Online-Werkzeug aufzeigt, zu welcher Phase im Projekt, welche der beteiligten Parteien, für was und in welchem Detail (= bis in welches Detail und in welche Informationsdichte) verantwortlich sind.
Hierbei soll es dann auch zu jeder Stufe/Phase möglich sein, das Ergebnis bzw. die BIM-Objekte in unterschiedlichen (neutralen) Austauschformaten exportieren zu können oder das ‚Digital BIM Toolkit‘ über API in andere Programme einzubinden.
Interessant wird es für diejenigen von uns, die nicht in Großbritannien wohnen, da dieses Werkzeug eindeutig darauf ausgelegt ist, exportiert zu werden und auch in anderen Sprach-Regionen eingesetzt zu werden. Wenn man sieht, dass die Britische PAS 1192-2 nun Grundlage für die Internationale Normungsarbeit zur ISO 19650 wird, so kann man sich vorstellen, dass die Briten dieses Werkzeug für BIM Level 2 auch mächtig pushen werden.
NBS hat zu diesem Anlass dem ‚Digital BIM Toolkit‘ eine Webseite aufgesetzt, auf der man sich auf dem Laufenden halten kann: http://www.thenbs.com/bimtoolkit/.
Empfehlenswert finde ich das dort zu findenden Video, das die Gruppe um NBS zum Abschluss der Phase 1, also der Machbarkeitsstudie, erstellt hat.
[N.B: Man merkt, dass NBS in Newcastle upon Tyne residiert –> Link, so dass einige Personen mit ihrem Nordenglischen Akzenten z. T. schwierig zu verstehen sind]
Es bleibt also spannend! Ich werde darüber berichten! Schauen Sie doch wieder einmal vorbei! Machen Sie es sich einfach und abonnieren Sie meinen Blog und empfehlen ihn weiter! Es würde mich freuen!

Da tut sich ja doch ‚was in Deutschland!

Foto_BIM_Workshop Wenn man sich auf den einschlägigen deutschsprachigen Webseiten in Sachen BIM so umschaut, so kann man nur den Eindruck bekommen: ‚Still ruht der See‘ … oder doch nicht? Wie ich schon in meinen letzten Blog-Einträgen (s. z. B. ‚Ländervergleich: BIM-Premiere League, BIM-Bundesliga, BIM-Regionalliga–> Link, oder ‚Die Niederländische BIM Task Group: Bouw Informatie Raad–> Link) erwähnt habe, hat das DIN Deutsches Institut für Normung e. V. am letzten Donnerstag (11.9.2014) einen BIM-Workshop veranstaltet. Und? Da tut sich ja doch ‚was in Deutschland in Sachen BIM! Das Programm sah folgendermaßen aus:

Während auch alle Vorträge auf der Seite des Normenausschuss Bauwesen des DIN (–> Link) veröffentlicht sind, so möchte ich doch im Folgenden auf sie eingehen – mal mehr, mal weniger.

BIM-Strategie für Deutschland

Herr Dr. Koggelmann, Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI, –> Link) berichtete über die Arbeiten der Reformkommission Bau von Großprojekten (–> Link) und hier im Speziellen von den Arbeiten der Arbeitsgruppe BIM. Ende letzten Jahres, also schon im Dezember 2013 hat die AG BIM eine erste Skizze einer BIM-Strategie für Deutschland vorgelegt. (Still ruht der See … !?). Die Strategie umreisst die folgenden Eckpunkte:

  • Daten verfügbar machen, Transparenz schaffen

Hochwertige Informationen werden zum richtigen Zeitpunkt benötigt, um kompetente Entscheidungen im Hinblick auf die ökonomischen und ökologischen Ziele treffen zu können;

  • Öffentlicher Auftraggeber

Dem öffentlichen Auftraggeber kommt bei der Durchsetzung der BIM-Methode eine besondere Rolle zu;

  • Referenzprojekte

Anhand von Referenzprojekten kann gezeigt werden, was jetzt schon geht, was noch entwickelt werden muss und was andere davon lernen können;

  • Push-Pull-Strategie (Fördern und Fordern)

Push = Förderung und aktive Hilfe- stellung bei der Umsetzung innerhalb der Bauwirtschaft, Pull = Forderungs-Impuls in die Bauwirtschaft als klares Zeichen, ganz bestimmte verlässliche und transparente Datenlieferungs- und Entschei- dungsprozesse zu etablieren;

  • Kompetenzsteigerung

Durch höheres Kompetenzniveau (=positiver Nebeneffekt von Push-Pull-Strategie) die Zuverlässigkeit der Bauwirtschaft festigen und ausbauen;

  • KMUs

Besonderes Augenmerk auf KMUs, um eine Überforderung des Gesamtmarktes zu vermeiden;

  • Soft Landings (sanfter Übergang)

Definition einer „Übergangsphase“ (Soft Landings), in der der Auftraggeber / Immobilienbetreiber begleitet wird, um in vollem Umfang den Nutzen aus den gelieferten Daten ziehen zu können und auch um die Erkenntnisse während einer Be- triebsphase wieder in der Bauwirtschaft verfügbar zu machen;

  • Zeithorizont

Konkretes Ziel ist, im Verlauf der nächsten 5 Jahre für Großvorhaben integrierte modellorientierte Arbeitsweisen in einem noch zu definierenden Umfang schrittweise einzuführen.

Bauen Digital GmbH*

Herr Wernik (LÉON WOHLHAGE WERNIK –> Link, Vorsitzender der Geschäftsführung von buildingSMART e. V. –> Link) konnte in seinem Vortrag verkünden, dass am 8. 9. 2014 von Verbänden der deutschen Bauindustrie beschlossen wurde, eine GmbH als eine deutsche BIM Task Group  zu gründen und diese „Bauen Digital GmbH – Gesellschaft zur Digitalisierungs des Planens, Bauens und Betreibens“ zu nennen.

Unterstützung für die Bauen Digital GmbH

Unterstützung für die Bauen Digital GmbH

[N.B: NN steht dafür, dass bei der Bauen Digital GmbH die Türen für jeden offen stehen, sei es Verband, sei es Privatperson, um sich dieser Initiative anzuschließen] Die Mission der neuen GmbH liest sich wie folgt:

  • beschleunigte Einführung von BIM in Deutschland koordinieren und unterstützen;
  • Vermeidung von Überlappung und Lücken der erforderlichen Aktivitäten;
  • Priorisierung und Delegation von Aufgaben;
  • bündelnde Kommunikation.

* 2015-02-20:
Heute wurde von den Verbänden der Planungs-, Bau- und Immobilienwirtschaft die
„planen-bauen 4.0 – Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens mbH“.
Siehe auch Pressemitteilung von buildingSMART e. V. –> Link.

Meine Präsentation mit dem Titel: „BIM-Aktivitäten außerhalb und innerhalb Deutschlands“ können Sie bei Slideshare finden (–> Link).

buildingSMART International

Herr Dr. Liebich (AEC3 Deutschland GmbH, –> Link) stellte die Normungs- und Standardisierungsaktivitäten bei ISO und CEN bzw. buildingSMART International vor. In meinem Blog habe ich des Öfteren bereits die BIM-Entwicklungskurve von Bew & Richards oder Varianten davon als Grafik eingebunden oder besprochen. Gerade auch deshalb fand ich die Variante von buildingSMART International sehr interessant, die ich übersetzenderweise aufgearbeitet habe:

Links zum Glossar:

Links zum Glossar: BIM, IFC, CV, COBie, MVD, BCF, LOD

VDI 3805 – international

Herr Dr. Manfred Pikart vom Bundesindustrieverband Deutschland – Haus-, Energie- und Umwelttechnik e. V. (BDH, –> Link) stellte die Normungsaktivitäten vor, bei denen die VDI-Richtlinie 3805 „Produktdatenaustausch in der Technischen Gebäudeausrüstung“ die Basis für die Erarbeitung der ISO 16757 bildet (–> Link).

Anwendung eines Standards: Revit®-plug-in für DIN SPEC 91400

DBDBIMÜber die Erarbeitung der DIN SPEC 91400 habe ich bereits in einem früheren Blog-Eintrag berichtet (s. ‚Eine fach- und silo-überspannende Bauklassifikation für den deutsch-sprachigen Raum? [u]–> Link). Herr Dr. Klaus Schiller, Dr. Schiller & Partner GmbH – Dynamische BauDaten (–> Link) erörterte die ‚BIM-Klassifikation nach STLB-Bau‚. Die Idee ist, dem Anwender ein Hilfsmittel zu geben, ein Bauteil standardisiert, menschen- und maschinenlesbar (=“GUID-isch“) zu spezifizieren sowie den offenen und neutralen IFC-Datenaustausch an den dafür vorgesehenen Stellen so zu füllen, dass der Daten-Empfänger diese Bauteileigenschaften genauso wie abgeschickt bekommt und weiterverarbeiten kann. Während es die Klassifikation zum einen als ’neutrale‘ IFC-Datei zum Herunterladen geben wird (Ende 2014), so wird DBD – als eine erste Anwendung der DIN SPEC – auch eine DBD-BIM-Schnittstelle anbieten, die darüber hinaus noch Folgendes bietet:

  • Verknüpfung mit nationalen und internationalen Klassifikationen (DIN 276-1, OmniClass™, Uniclass2, etc.)
  • BIM-integriertes Fachwissen (z.B. Regeln der Technik)
  • Modellbasierte Leistungsbeschreibungen
  • Modellbasierte Mengen-Wert-Gerüste für Kostenermittlungen

Was ich aber besonders spannend finde ist, dass auch gleich ein Revit®-plug-in angeboten wird (zur BAU 2015 in München), das neben den oben genannten Verknüpfungen auch dafür sorgt, dass die standardisierten Bauteileigenschaften sowohl im IFC-Import als auch IFC-Export enthalten sind – und das direkt aus Autodesk Revit® heraus!

VDI-Koordinierungskreis „Building Information Modeling“

Bereits im Dezember 2013 wurde beim VDI ein Koordinierungskreis ‚Building Information Modeling‘ gegründet (KK-BIM –> Link), deren Vorsitz Herr Prof. Rasso SteinmannInstitut für angewandte Bauinformatik e. V. an der Hochschule München (IABI, –> Link) übernommen hat. (Still ruht der See?!). VDI_Agenda_BIMDieser hat nun eine Agenda erarbeitet (–> Link), die folgende Handlungsfelder umfasst:

  • Mensch

Eine klare Definition der Verantwortlichkeiten und Rollen ist bei der BIM-Anwendung der erste und zugleich einer der wichtigsten Schritte.

  • Technologie

Die BIM-Technologie sollte im Rahmen der Regelsetzung so beschrieben werden, dass Aspekte wie z. B. Datenaustausch, Datenmanagement oder Mengenermittlung in den Richtlinien standardisiert sind.

  • Prozesse

Im Rahmen der Richtlinienarbeit zu Prozessen sollen Themen wie ‚Anforderungen an die Planung und den Ablauf‚ oder ‚Qualitätskriterien für Informationen, Ausschreibung versus Angebot‚ betrachtet werden.

  • Rahmenbedingungen 

Bei den Rahmenbedingungen sind muss ein Abgleich mit den existierenden Regelungen stattfinden, beispielsweise mit der VOB und der HOAI.

Zitat aus der Agenda des VDI KK-BIM: „Die deutschen Besonderheiten bei der Planung, Erstellung und dem Betrieb von Bauwerken macht eine nationale Regelsetzung jedoch in jedem Fall erforderlich. Diese maßgeblich durch den VDI– Koordinierungskreis BIM getriebene nationale Regelsetzung soll weiterhin die Grundlage für den deutschen Standpunkt zu einer in absehbarer Zukunft folgenden internationalen Normung (ISO) sein.“ Zwischen dem DIN Deutsches Institut für Normung e. V. und dem VDI in Sachen BIM wurde ein Einvernehmen über die Arbeitsteilung erreicht. Der VDI ist die maßgebliche Stelle für die nationale BIM-Regelsetzung. Jedoch wenn es darum geht, diese Regeln in die Welt, d. h. zu CEN und zu ISO zu tragen, ist dies die Aufgabe des DIN Deutsches Institut für Normung e. V. Dies wurde in der abschließenden Podiumsdiskussion auch deutlich.

Machen Sie mit!

IMG_1555 Wenn eine Europäische Norm erarbeitet wird, so werden jeweils in den Mitgliedsländern der europäischen Normungsorganisation CEN – worunter auch Deutschland – sogenannte Spiegelgremien mit Vertretern aller nationalen interessierten Kreise gebildet. In diesem Spiegelgremium wird daraufhin – im Konsens (!) – eine Meinung zu den zur Diskussion stehenden Themen gebildet. Diese Meinung wird dann von einem entsandten Vertreter bei der Arbeit des europäischen Normungsgremiums eingebracht. Eine Besonderheit ist, dass alle auf CEN-Ebene erarbeitete Europäischen Normen – im Gegensatz zu den Internationalen Normen auf ISO-Ebene – automatisch ins deutsche Normenwerk übernommen werden müssen, also automatisch deutsche Normen werden. Einer frühzeitigen Einflussnahme kommt hierbei also eine große Bedeutung zu! Bei der Podiumsdiskussion ging es genau um ein solches deutsches Spiegelgremium, da bereits Ende des Jahres 2014 (!) mit höchster Wahrscheinlichkeit bei CEN ein sogenanntes Technisches Komitee gegründet wird, das die zukünftigen europäischen Normungsarbeiten zum Thema BIM koordinieren soll.

Alle interessierten Kreise in Deutschland sind also aufgerufen, Vertreter in dieses Spiegelgremium beim DIN zu entsenden, um Deutschland eine fundierte Stimme bei den Normungsarbeiten zu BIM auf europäischer Ebene zu geben! Auch Sie sind damit gemeint!

[N.B: Hier können Sie Kontakt zum Ansprechpartner im Normenausschuss Bauwesen (NABau) im DIN aufnehmen: –> Link]

Ergebnis

Nach einer kurzen Kaffeepause wurden den Teilnehmern die folgenden Punkte als Ergebnis des Workshops präsentiert:

  • Gründung der „Bauen Digital GmbH“ wird durch die Anwesenden begrüßt.
  • Die Gesellschaft bündelt die Interessen der Bauwirtschaft.
  • Pränormative Richtlinienarbeit zur Umsetzung des Standes der Forschung im Markt wird begrüßt.
  • Der sich anschließende Stand der Technik wird in die Normung überführt werden.
  • DIN wird hierzu ein entsprechendes Gremium etablieren und zu einer Auftaktsitzung einladen.
  • Dieses DIN-Gremium ist für die europäische und internationale Spiegelarbeit verantwortlich.
  • Die Partner DIN/VDI/Bauen Digital GmbH werden ihre Zusammenarbeit daraufhin abstimmen, dass keine Doppelarbeiten entstehen.
  • Weitere Regelsetzer sind ausdrücklich eingeladen, an der Zusammenarbeit teilzunehmen.

Mein Resümee

Es ist festzustellen, dass Deutschland in Sachen BIM weit hinter dem zurückhängt, was andere – auch europäische Staaten – uns bereits jahrelang vormachen. Aber: Da tut sich ja doch ‚was in Deutschland in Sachen BIM! Aber jetzt ist es nicht die Zeit wie Herr Dr. Thomas Liebich (AEC3 Deutschland GmbH, –> Link) sehr trefflich formulierte: „Zu schauen was für fünf Sachen noch nicht funktionieren, sondern zu realisieren, dass bereits fünf Sachen funktionieren. Es gilt jetzt, mit diesen anzufangen, um dann die noch nicht funktionierenden Sachen anzugehen!“ Es bleibt bzw. wird spannend (in Deutschland)! Ich werde darüber berichten! Schauen Sie doch wieder einmal vorbei! Machen Sie es sich einfach und abonnieren Sie meinen Blog und empfehlen ihn weiter! Es würde mich freuen!

Die Niederländische BIM Task Group: Bouw Informatie Raad

Bei der Vorbereitung für eine Präsentation, die ich beim BIM-Workshop „Normungsarbeiten zu BIM in Deutschland“ am 11. September 2014 bei DIN in Berlin (–> Link) halten werde, habe ich auch interessante Neuigkeiten in den Niederlanden gefunden: Die Aktivitäten des Bouw Informatie Raad (BIR).

Über die niederländische BIM-Norm habe ich ja bereits berichtet (s. Blog-Eintrag „NL: Die BIM-Norm und – jetzt neu! – ihre Evaluierung„, –> Link).

Aufmerksam wurde ich auf das BIR dadurch, dass Stephen Hamil in seinem Blog über die niederländischen Aktivitäten berichtete (s. Blog-Eintrag „BIM Levels of Maturity„, –> Link)

Niederlande: BIM-Entwicklungsstufen (Englisch)

Niederlande: BIM-Entwicklungsstufen (Englisch)

Im BIR haben sich jetzt fünf Parteien aus dem Bausektor zusammengetan, um BIM weiterzuentwickeln und Anreize zu schaffen, mit der BIM-Methode zu arbeiten:

  • Auftraggeber
  • Auftragnehmer
  • Ingenieurbüros
  • Haustechniker
  • Architekten

Ich finde es sehr interessant, dass die niederländische Bauindustrie sich jetzt BIM als gemeinsames Ziel gegeben hat (vglb. mit dem damals sehr erfolgreichen Poldermodell – siehe auch den dazugehörigen Wikipedia-Eintrag –> Link).

Gerne würde ich noch zwei Aktivitäten erwähnen, die das BIR ins Leben gerufen hat bzw. betreibt:

  • Die BIRWissenskarten und
  • die Niederländische Konzeptbibliothek für die bebaute Umgebung (CB-NL)

Mit den BIR-Wissenskarten (BIR-Kenniskaarten) werden kurze Einführungen zu verschiedenen Themen gegeben. Bisher sind bereits zwei erschienen, Nr. 1 zu den BIM-Reifestufen, aus dem nicht nur die obige Grafik stammt, sondern auch die folgende Übersicht:

NL-BIM-Reifegrade

Nr. 2 stellt die der BIR sehr wichtigen offenen Standards vor (Open Standaarden), Nr. 3 ist in der Mache und soll „für (KM-) Unternehmen sein, damit sie einen ersten Eindruck davon bekommen, welche Aktivitäten stattfinden müssen, damit ihr Unternehmen um eine BIM-Reife-Stufe erreichen zu können.“ (Quelle: http://www.bouwinformatieraad.nl/2014/09/3e-bir-kenniskaart-krijgt-invulling/).

Die Niederländische Konzeptbibliothek für die bebaute Umgebung (CB-NL) scheint mir – im Heimatland von LexiCon – eine nationale Version des buildingSMART Data Dictionary (bSDD – siehe auch meinen Blog-Eintrag „ISO 12006-3: Unter der Motorhaube vom buildingSMART Daten-Wörterbuch (bsDD)–> Link) zu sein. Sie wird sicherlich nicht nur die enge Verbindung zu buildingSMART interessant sein, sondern auch durch die geplante Verzahnung mit ETIM, einer bereits eingeführten Produktdaten-Klassifikation für den Elektrobereich.

Die Idee der Zusammenarbeit liegt ja auch dem BIM-Beirat hier in Deutschland zugrunde. Aber viel ist dabei m. E. noch nicht herausgekommen. Ein Programmpunkt beim BIM-Workshop „Normungsarbeiten zu BIM in Deutschland“ am 11. September 2014 bei DIN in Berlin (–> Link) soll auch eine deutsche Version der ‚BIM Task Group‘ sein. Könnte hierfür die BIR ein Beispiel sein?

Es bleibt also spannend! Ich werde darüber berichten!

Schauen Sie doch wieder einmal vorbei! Machen Sie es sich einfach und abonnieren Sie meinen Blog! Es würde mich freuen!