‚Was‘, ‚Wie‘, ‚Wer‘, ‚Realisieren‘ einmal anders – Integrierte Projektabwicklung (IPD)

IPD_Guide_2007Jeder hat schon einmal vom ‚Frontloading‘ bei der BIM-Methode gehört, also vom Vorziehen von wichtigen Entscheidungen innerhalb des Bauprozesses, sehr einleuchtend ins Bild gesetzt durch die Macleamy Kurve. (z. B. auch als Abbildung 3.4 ‚Aufwandsverlagerung und Einfluss auf Kostenentwicklung‘ im BIM-Leitfaden für Deutschland der ARGE BIM-Leitfaden AEC3 & OPB 2013, –> Link)

Aber haben Sie das einmal genauer wissen wollen? Welche Entscheidungen sollen nach vorne gezogen werden und wie soll das vonstatten gehen? Integrated Project Delivery: A Guide (‚Integrierte Projektabwicklung – Ein Leitfaden‘–> Link) gibt Antworten.

Im Folgenden werde ich mir diesen Leitfaden einmal etwas genauer anschauen:

Was ist IPD? Der AIA-Leitfaden möchte die Integrierte Projektabwicklung als Methode sehen, um

„den Status quo fragmentierter Prozesse mit enttäuschenden Ergebnissen hin zu einem gemeinschaftlichen, Werte-basierenden Prozess zu transformieren, der dem gesamten Bauteam positive, bessere Ergebnisse beschert.“

Vergleich von Traditioneller Projektabwicklung mit IPD

Vergleich von Traditioneller Projektabwicklung mit IPD

Die ‚frühen Wissens- und Erfahrungsbeiträge‘ (s. Rubrik ‚Prozesse‘ in der obigen Gegenüberstellung) führen im Unterschied zu traditionellen Methoden zu Aufwandsverschiebungen, dem schon zuvor erwähnten ‚Frontloading‘. Da somit auch zusätzliche Inhalte in die frühen Prozessphasen aufgenommen werden, liegt es nahe – wie im IPD-Leitfaden auch vorgenommen – die althergebrachten Phasen-Bezeichner zu ändern. Das Amerikanische Architekten-Institut (AIA) schlägt die folgenden neuen Bezeichner vor, wobei es zu beachten gilt, dass hier der US-amerikanische Bauprozess Pate gestanden hat:

IPD resultiert in neuen Phasen-Bezeichnungen

IPD resultiert in neuen Phasen-Bezeichnungen

Welche Aufgaben galt es, in den traditionellen (USA) Prozessphasen abzuarbeiten und was verändert sich im Vergleich dazu bei IPD?

Die alten Prozessphasen (USA) mit den neuen (= integriert (IPD)) verglichen

Die alten Prozessphasen (USA) mit den neuen (= Integriert (IPD)) verglichen

IPD mit BIM = Zweimal Bauen = Zweimal mit dem gleichen Team!

In der obigen Darstellung deutet sich schon an, wie die Verschiebung des ‚Entscheidungsberges‘ vor sich gehen soll. Der Clou bei der Integrierten Projektabwicklung ist es, alle wichtigen Prozessbeteiligten (Auftraggeber, Architekt, Fachplaner, Generalunternehmer, Sub- bzw. Fachunternehmer sowie die zuständigen Behörden!) möglichst schon während der Phase ‚Konzeptionierung‘ an einen Tisch zu holen, dann einander die verschiedenen Optionen darzulegen, gemeinsam zu evaluieren und Entscheidungen zu treffen.

Einschub: In den USA ist (traditionell) das Generalunternehmer-Modell die wohl üblichste Art der Projektabwicklung. Auch wenn der Generalunternehmer häufig selber für die Rohbauarbeiten zuständig ist, so ist es für eine auch zeitsparende IPD wichtig, Sub- bzw. Fachunternehmer insbesondere dann schon von Anfang an dabeizuhaben, wenn ihre Fachgebiete Bauobjekte umfassen, die eine lange Vorlaufzeit benötigen, die speziell angefertigt werden müssen oder die am besten präfabriziert werden. Die restlichen Unternehmungen werden dann während der Phase ‚Letzte Zuschlagserteilung‚ bestimmt und vertraglich gebunden.

Der ‚Entscheidungsberg‘ hängt sowohl eng mit dem Zeitpunkt, an dem die beteiligten Parteien beginnen, aktiv an der Prozessabwicklung teilzunehmen, als auch mit der Dauer ihrer Teilnahme zusammen. Der traditionelle US-basierte Bauprozess liefert für die bereits benannten Parteien folgendes Balkendiagramm:

Traditionell (USA): Teilnahmedauer von Projektparteien u. Findungsphasen für Entscheidungen

Traditionell (USA): Teilnahmedauer von Projektparteien u. Findungsphasen für Entscheidungen

Einschub: Dem aufmerksamen Leser ( 😉 ) wird wahrscheinlich aufgefallen sein, dass sich hier ein kleiner, mir aber dennoch erwähnenswerter Unterschied zwischen dem amerikanischen und dem deutschen (traditionellen) Bauprozess auftut. Während die Deutschen in Leistungsphase 4 ‚Genehmigungsplanung‘ ihre Projekte von den Bauämtern absegnen lassen und sich danach an die Ausführungsplanung machen, so legen die Amerikaner erst ihre Ausführungsdokumente den Behörden zur Genehmigung vor. Diese und andere Unterschiede werde ich in einem späteren Blog-Eintrag untersuchen, in dem ich auch auf andere Probleme eingehen möchte, die einer Einführung von IPD bei (öffentlichen) deutschen Bauprojekten entgegenstehen.

Dem traditionellen Bauprozess gehört nun der Bauprozess nach IPD zum Vergleich gegenübergestellt:

Integriert (IPD): Teilnahmedauer von Projektparteien u. Findungsphasen für Entscheidungen

Integriert (IPD): Teilnahmedauer von Projektparteien u. Findungsphasen für Entscheidungen

Eine Kombination der obigen Darstellungen (Macleamy Kurve und die beiden Balkendiagramme) im direkten Vergleich können Sie hiermit aufrufen: –> Link.

Der Leitfaden bespricht nicht nur die einzelnen Phasen des Bauprozesses, die Aufgaben der wichtigsten teilnehmenden Parteien und die Ergebnisse pro Phase, sondern behandelt auch rechtliche Fragen zu verschiedenen Formen, die das Joint Venture der Parteien annehmen kann, welches mit dem Auftraggeber zusammen die Projektabwicklung gestalten soll.

Ein weiteres Thema ist auch die (vertraglichen) Konstellationen zwischen dem Auftraggeber, dem Architekten und dem (General-) Unternehmer. Hier geht der Leitfaden von den existierenden Projektabwicklungsmodellen aus und wägt die Vor- und Nachteile ab und damit auch, ob diese Modelle eine integrierte Projektabwicklung ermöglichen:

Für IPD geeignet? Projekt-Abwicklungsmodelle im Vergleich

Für IPD geeignet? Projekt-Abwicklungsmodelle im Vergleich

Die obige Darstellung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und auch nicht die der reinen Lehre, sprich es treten auch Mischformen von den Modellen auf wie z. B. zwischen ‚Entwurf, Vergabe u. Bauausführung‚ und ‚Viele Hauptunternehmer‚.

Zitat aus dem IPD-Leitfaden:
„Es versteht sich, dass die integrierte Projektabwicklung (IPD) und Arbeiten mit Bauwerksinformationsmodellen (BIM) voneinander verschiedene Konzepte darstellen – das erste ist ein Prozess und das zweite ein Werkzeug. Es wird sicherlich integrierte Projekte geben, die ohne BIM abgewickelt werden und so wird wohl auch BIM in nicht-integrierten Prozessen angewendet. Möchte man jedoch den größtmöglichen Nutzen aus beiden ziehen, aus IPD und BIM, so funktioniert dies nur, wenn beide zusammen benutzt werden.“

Wenn ich mir dieses Zitat und die Darstellung der Projekt-Abwicklungsmodelle zusammen anschaue, so beschleicht mich ein Gefühl der Unsicherheit, ob es in Deutschland überhaupt auf absehbare Zeit möglich sein wird, „den größtmöglichen Nutzen aus beiden [zu] ziehen, aus IPD und BIM?! Genau die beiden Modelle „Viele Hauptunternehmer“ und „Entwurf, Vergabe und Bauausführung“ haben hierzulande doch einen recht hohen Anteil an den Bauprojekten.

In diesem Blog-Eintrag habe ich mir den IPD-Leitfaden des Amerikanischen Instituts für Architekten (AIA) angeschaut und somit fast zwangsweise auch nur den traditionellen Bauablauf wie er (noch) in den USA üblich ist mit dem angestrebten IPD-Prozess verglichen. In einem der kommenden Blog-Einträge werde ich mir den traditionellen Bauablauf in Deutschland vornehmen und dann diesen mit dem hier dargestellten IPD-Prozess vergleichen!

Es bleibt also spannend! Schauen Sie doch einfach mal wieder vorbei! Oder machen Sie es sich einfach, abonnieren Sie meinen Blog und empfehlen ihn weiter! Gerne höre ich von Ihnen und empfange Ihre Bewertungen (s. u.)!

Mit freundlichen Grüßen aus Berlin!

Konrad Stuhlmacher

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Architektur- und Ausschreibungsmodell synchron – NBS Create

BBSR Auftragsforschung 10.08.17.7–12.03: Vorschlag für eine Erweiterung des GAEB DA XML Wirkungsgebietes

BBSR Auftragsforschung 10.08.17.7–12.03: Vorschlag für eine Erweiterung des GAEB DA XML Wirkungsgebietes

Vor kurzem las ich in einem meiner Blogroll-Blogs (‚BIM Bauwelt und NBS‚, –> Link) etwas über das überarbeitete NBS Create Plug-in für Revit®. (‚The top three enhancements to the NBS Plug-in for Autodesk Revit‘, –> Link)

Dies erinnerte mich stark an das Projekt 10.08.17.7–12.03 der BBSR Auftragsforschung, „D-A-CH XML-Datenaustausch AVA – Definition einer XML-Austauschbasis für die D-A-CH – Länder unter Berücksichtigung der landes-spezifischen Austauschstandards“, das ich während meiner Zeit bei AEC3 (–> Link) machen durfte. Als eines der Ergebnisse schlugen wir vor, der GAEB möge sich doch auch der Prozessphasen (HOAI LPH 1 – 5) vor der eigentlichen Ausschreibungsphase (HOAI LPH 6 u. 7) annehmen. 

Eine solche Verbindung zwischen dem Architektur- und dem Ausschreibungsmodell bietet in Großbritannien jetzt NBS mit seinem NBS Create Plug-in für Revit® an – und das bereits in einer überarbeiteten Version. Grund genug, sich dies einmal näher anzuschauen.

Für die Darstellung von diesen Geschäftsprozessen habe ich die dafür entwickelte Darstellungsweise, BPMN, in den dabei üblichen sogenannten Schwimmbahnen gewählt.

Das NBS Plug-in für Revit® (Vers. 2015) eingebunden in umgebende Prozesse

Das NBS Create Plug-in für Revit® (Vers. 2015) eingebunden in umgebende Prozesse

Die einzelnen nummerierten Schritte werde ich im folgenden etwas näher betrachten:

1. Verbindung zu IFC

NBL BIM-Objekte haben u. a. IFC-Eigenschaften.

2. Verbindung zu weiteren (inter-) nationalen Bauklassifikationen

Die NBL BIM-Objekte sind nach Uniclass2 Tabelle ‚Work Results‘ (WR = Arbeitsergebnisse. Achtung: Zurückgezogen!) klassifiziert. Platzhalter für OmniClass™ sind hierbei vorhanden, müssen aber vom Anwender ausgefüllt werden.

3. Verbindung zu objektbezogenen weiterführenden Fachinformationen

Über das NBS Create Plug-in kann der Anwender auf NBS Guidance zugreifen. Dies umfasst:

  • Informationen zu den Werkstoffen, die benutzt werden sollen – Eigenschaften, Leistungsmerkmale, allgemeine Anwendung, usw.
  • die wichtigsten Bezugsdokumente
  • Empfehlungen zu Entwurf und Verarbeitung
  • Häufige Fehlerursachen und wie diese zu umgehen sindAu
  • Vertragliche Angelegenheiten

Zusätzlich kann auch NBS Plus zu Rate gezogen werden. Dies umfasst:

  • Bibliothek mit kontextbezogenen Herstellerangaben zu Bauprodukten

4. Verbindung zu BIM-Objektbibliotheken

Die NBL ist im NBS Create Plug-in aufrufbar. Der Anwender kann die BIM-Objekte aus der NBL über Drag-and-drop ins BIM-Modell übernehmen.

5. Verbindung zu Standard-Ausschreibungstexten

Mit dem NBS Create Plug-in kann der Anwender auf zwei Arten ein grobes Gerüst für seine Ausschreibungstexte erstellen:

  • Über zu importierende NBL BIM-Objekte, die bereits nach Uniclass2 klassifiziert sind.
  • Über das Assoziieren von selber modellierten Objekten nach der Uniclass2-Tabelle Systems (SS – Systeme)

6. Beschriftung von BIM-Objekten im Architektur-Modell

Mit dem NBS Create Plug-in kann der Anwender NBS Create Kurztexte als Objekt-Beschriftungen in das Architektur-Modell übernehmen. (=Sichtbares Zeichen, dass das Architektur- mit dem Ausschreibungsmodell verbunden sind!).

7. Synchronisation Ausschreibungs-Modell – BIM-Modell

Mit dem NBS Create Plug-in kann der Anwender einen Report erzeugen, in dem das Architektur- und das Ausschreibungsmodell mit einander verglichen werden. Auf Differenzen wird der Anwender hingewiesen, so dass die beiden Modelle synchron gehalten werden können.

8. Weiterführende Berichte

Weiterführende Berichte sind derzeit nicht möglich.

N.B: Im Gegensatz zu z. B. deutschen Gepflogenheiten liegen Mengen und Kosten nicht (!) im Aufgabenbereich eines Ausschreibungsprogramms und somit auch nicht von NBS Create.

9. Export als offene nicht-proprietäre Formate

Das Architektur-Modell kann zusammen mit den NBS Create-Informationen als IFCDokument (IFC 2×3) exportiert werden (Achtung: Beta-Stadium).

Die Plug-ins von NBS (es gibt neben dem Plug-in für Revit® auch ein Plug-in für ArchiCad® und ein ‚NBS Annotator Link tool for Vectorworks® 2014′) erlauben eine sehr beeindruckende Verbindung zwischen den Architektur-Modellen und NBS Create. Dieses wiederum ist so aufgebaut, dass man mit gutem Gewissen von einem ‚Ausschreibungsmodell‘ sprechen kann.

Gibt es in Deutschland Entsprechendes? Geht die Integration der beiden Modelle ähnlich weit? M. E. derzeit (noch?) nicht!

Es bleibt also spannend! Ich werde darüber berichten!

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NBS Create und die Nationale BIM-Bibliothek gehen gemeinsam ins Detail

Das Thema LoD oder das der Detaillierungs- oder Entwicklungsgrade ist recht komplex und ich bin gerade dabei es thematisch einzukreisen (siehe auch Blog-Eintrag: „LoD = Lots of Definitions?–> Link).

Da passt es, dass Stephen Hamil in einem seiner letzten Blog-Einträge (siehe „The NBS BIM Ecosystem–> Link) einen Überblick darüber gibt, wie sowohl das relativ neue britische Ausschreibungssystem NBS Create (–> Link) als auch parallel dazu die britische National BIM Library (–> Link) gemeinsam ins Detail gehen, will sagen im Laufe des Planungsprozesses dem Anwender die Möglichkeit bieten, immer detaillierter zu werden. Und das sowohl im Ausschreibungstext als auch im Modell!

NBScreate_775pxNBS Create kennt in dem Sinne vier Verfeinerungsstufen:

„For each system the user may specify (a) an outline description, (b) the system in terms of its performance, (c) generic specifications for the products that make up the system and (d) proprietary specifications for the products that make up the system.“ (Quelle: http://constructioncode.blogspot.co.uk)

  1. Kurzbeschreibung: Eine einfache Beschreibung, um den Entwurfsgedanken zum System festzuhalten.
  2. Leistungsorientierte Beschreibung des Systems
  3. Neutrale Beschreibung der Produkte, aus denen ein System zusammengestellt ist
  4. Proprietäre Beschreibung dieser Produkte.

NBS BIM-BibliothekDie NBS BIM-Bibliothek kennt in dem Sinne drei Ebenen: 

  1. BIM-Objekte mit einem niedrigen Informationsniveau, die graphisch nur sehr grob ausgearbeitet sind, dafür aber mit typischen Nutzungszonen versehen sind, die bei der Raumplanung helfen können.
  2. Neutrale BIM-Objekte, die graphisch aufwändiger gestaltet sind, jedoch nur einen Bautyp darstellen, ohne Feinheiten eines proprietären Produktes aufzuweisen.
  3. Proprietäre BIM-Objekte, die sowohl graphisch als auch alphanumerisch die gesamte Information in sich tragen.

Besonders interessant wird das NBS-Ökosystem dann, wenn die Teile ineinandergreifen und zusammen ihre Stärken ausspielen:

Derzeit bietet NBS Plug-ins für drei gängige Modellierungssoftwarelösungen an, die es ermöglichen, einen direkten Zusammenhang zwischen den Modellen und den Ausschreibungstexten herzustellen. Der Anwender kann somit Ausschreibungstexte und Modelle gleichzeitig aktuell halten!

Wenn in Deutschland demnächst die DIN SPEC 91400 (siehe auch Blog-Eintrag „Eine fach- und silo-überspannende Bauklassifikation für den deutsch-sprachigen Raum? [u]–> Link) herausgegeben wird, kann damit auch eine Verbindung zwischen den Modellen und den Texten generiert werden. Eine noch direktere Verbindung zwischen Ausschreibungstexten und Modellen vergleichbar mit der oben beschriebenen ist dann ein konsequenter nächster Schritt!

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Britische Ausschreibung: Ein digitales Werkzeug für das Arbeiten mit Bauwerksinformationsmodellen

A digital tool for building information modelling

Britische Ausschreibung: Ein digitales Werkzeug für das Arbeiten mit Bauwerksinformationsmodellen

Noch zwei Jahre! Ja, es sind noch zwei Jahre bis alle öffentlichen Bauprojekte in Großbritannien mit BIM (Stufe 2) ausgeführt werden müssen. Seitdem das Programm 2011 ins Leben gerufen wurde, wurde es von der BIM Task Group (–> Link) unterstützt und weitergetrieben. Um die Sache gründlich – und auch nachhaltig anzugehen – hat man sich einen mehrgleisigen Fahrplan gegeben und arbeitet diesen jetzt ab:

Das BIM Entwicklungsdiagramm mit den dazugehörigen (Hilfs-) Dokumenten

Das BIM Entwicklungsdiagramm mit den dazugehörigen (Hilfs-) Dokumenten

Während die Dokumente wie Normen und Standards und auch die Handbücher bereits veröffentlicht sind oder in Kürze werden, steht eine digitale Version des ‚Plan of Work‘, des digitalen Arbeitsplanes, also eines genau festgelegten Ablaufschemas für den Design- und Entwicklungsprozesses eines Bauwerks (‚1‘ im obigen Schaubild) und eine fachthemen-übergreifende Klassifikation (‚2‘ im obigen Schaubild) noch aus.

Um diese fehlenden Elemente zu entwickeln wurde jetzt ein digitales Werkzeug für das Arbeiten mit Bauwerksinformationsmodellen (–> Link) ausgeschrieben. Dieses digitale Werkzeug soll webbasiert sein und sowohl den digitalen Arbeitsplan als auch die Klassifikation beinhalten bzw. anwenden. Die Webseite hat weitgehende Informationen. Um tiefer in die Materie einzusteigen, habe ich mir für diese Blog-Ausgabe einmal das folgende Dokument angeschaut: ‚A digital tool for building information modelling – Functional specification‘ (–> Link). Im Grunde genommen ist die Aufgabe in drei Teile geteilt, den digitalen Arbeitsplan, die umfassende Klassifikation und das Werkzeug dafür:

Der digitale Arbeitsplan

Im letzten Jahr wurde das Ablaufschema der Britischen Architektenkammer, RIBA (Royal Institute of British Architects, –> Link), der RIBA Plan of Work 2013 (PoW, –> Link) veröffentlicht. Dieser wurde 50 Jahre nach seinem ersten Erscheinen gründlich überarbeitet – insbesondere um die Arbeiten mit Bauwerksinformationsmodellen zu integrieren. Aber ein großes Manko bleibt dabei. Der RIBA PoW ist eine Anleitung. Die Anforderungen, die dort gestellt werden, die festgelegten Datenübergaben, die Regeln können nicht digital überprüft werden. Genau das Problem soll der jetzt ausgeschriebene digitale Ablaufplan, der Digital Plan of Work (dPoW) beheben.

„The dPoW enables the generation of a data deliverables template for each project against which to test the validity of each delivery.“

Derjenige, der sich daran interessiert, an dieser Ausschreibung teilzunehmen, ist sehr gut daran beraten, sich die bisher geleisteten Arbeiten der BIM Task Group (–> Link) genau anzuschauen. Zum Beispiel wurde der Ablaufplan nicht nur in acht Phasen unterteilt:

  • Stage 0 – Strategy,
  • Stage 1 – Brief,
  • Stage 2 – Concept,
  • Stage 3 – Definition,
  • Stage 4 – Design,
  • Stage 5 – Build & commission,
  • Stage 6 – Handover & closeout,
  • Stage 7 – Operation & end of life,

sondern es wurde auch überlegt, was zu welchem Zeitpunkt geliefert werden muss. Die Herangehensweise finde ich logisch und bewundernswert. Zunächst wurde überlegt, welche Fragen (–> Link) zu welchem Zeitpunkt beantwortet werden müssen, zu welchem Zeitpunkt also welche Entscheidungen getroffen werden müssen und welche Informationen dafür jeweils notwendig sind. Zu dem so definierten ‚Wann?‚ und ‚Was?‚ kommt aber auch noch eine dritte ‚Dimension‘, nämlich das ‚Wer?‚: In einem Bauprozess mit einer Vielzahl an Beteiligten ist es für einen vollständigen Ablaufplan auch von Bedeutung, die verschiedenen Rollen näher zu betrachten. Somit kommt man zu einer dreidimensionalen Matrix:

Die dreidimensionale Datenmatrix

Die dreidimensionale Datenmatrix

In dieser Matrix kann man somit zu jedem Zeitpunkt im Bauablauf ablesen, wer was zu liefern hat!

Auch hat man sich zu den digitalen Detaillierungsstufen Gedanken gemacht. Während LoD, also Level of Detail bzw. Development schon anderweitig bekannt ist, soll das ausgeschriebene Werkzeug die Einhaltung dieser Vorgaben auch (automatisch) überprüfen können. Wie kann ein Werkzeug das? Nur, wenn es zuvor die zu überprüfenden Daten vorgegeben bekommt. Ja, richtig: Die Umsetzung des dPoW beinhaltet auch die Definition und Beschreibung von ca. 3000 Elementen in unterschiedlichen Detaillierungsstufen:

„It should be noted that if the Elemental (EE) level of Uniclass were adopted and extended to include all building and infrastructure elements this could easily approach 3000 elements.“ 

Dies wird sicherlich auch interessant für die verschiedenen Projekte, die sich weltweit mit der Definition von Merkmalslisten beschäftigen!

Die Klassifikation

Ein klar definierter Ansatz dieser Ausschreibung – eigentlich des gesamten BIM-Programms – ist es, der Britischen Bauwirtschaft für den Fall, dass BIM auch international mehr angewendet wird, eine bessere Ausgangsposition, also Marktvorteile zu verschaffen. Auch unter diesem Aspekt ist es zu sehen, dass die angestrebte Klassifikation auf jeden Fall auf Basis der sich gerade in der Überarbeitung befindlichen Internationalen Norm ISO 12006-2 (–> Link) entwickelt werden soll.

Eigentlich wurden ja schon Anstrengungen unternommen, mit Uniclass2 (–> Link) eine silo-überspannende Klassifikation zu entwickeln. Die Annahme verläuft aber wohl so schleppend und das Resultat ist anscheinend nicht so überzeugend, dass mit dieser Ausschreibung ein neuer Anlauf unternommen werden soll.

Das Werkzeug

Eigentlich kann man hierzu nur die webbasierte eierlegende Wollmichsau sagen. Der Katalog der Anforderungen ist lang, hierzu gehören neben diversen Import- und auch Exportfunktionalitäten auch – und das ist m. E. beachtenswert – die Fähigkeit für eine Mehrsprachigkeit. Aber vor allem muss es leicht zu bedienen sein und so gut wie selbsterklärend.

Für uns auf dem Festland ist diese Ausschreibung auch interessant. Die Zielvorgaben sehen einen sehr engen Zeitplan (Ende der 2. Phase bereits im September 2014!) vor und eine spätere kostenfreie Nutzung. Somit wird dieses Werkzeug sicherlich hierzulande in Erwägung gezogen werden müssen, wenn es darum geht, die nächsten Schritte einer BIM-Übernahme zu planen.

Für diejenigen, die noch mehr über diese Ausschreibung erfahren möchten, sei noch einmal auf die Wettbewerbs-Webseite (–> Link) verwiesen.

Ich werde die Ergebnisse genau verfolgen und wieder darüber berichten.

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