‚Was‘, ‚Wie‘, ‚Wer‘, ‚Realisieren‘ einmal anders – Integrierte Projektabwicklung (IPD)

IPD_Guide_2007Jeder hat schon einmal vom ‚Frontloading‘ bei der BIM-Methode gehört, also vom Vorziehen von wichtigen Entscheidungen innerhalb des Bauprozesses, sehr einleuchtend ins Bild gesetzt durch die Macleamy Kurve. (z. B. auch als Abbildung 3.4 ‚Aufwandsverlagerung und Einfluss auf Kostenentwicklung‘ im BIM-Leitfaden für Deutschland der ARGE BIM-Leitfaden AEC3 & OPB 2013, –> Link)

Aber haben Sie das einmal genauer wissen wollen? Welche Entscheidungen sollen nach vorne gezogen werden und wie soll das vonstatten gehen? Integrated Project Delivery: A Guide (‚Integrierte Projektabwicklung – Ein Leitfaden‘–> Link) gibt Antworten.

Im Folgenden werde ich mir diesen Leitfaden einmal etwas genauer anschauen:

Was ist IPD? Der AIA-Leitfaden möchte die Integrierte Projektabwicklung als Methode sehen, um

„den Status quo fragmentierter Prozesse mit enttäuschenden Ergebnissen hin zu einem gemeinschaftlichen, Werte-basierenden Prozess zu transformieren, der dem gesamten Bauteam positive, bessere Ergebnisse beschert.“

Vergleich von Traditioneller Projektabwicklung mit IPD

Vergleich von Traditioneller Projektabwicklung mit IPD

Die ‚frühen Wissens- und Erfahrungsbeiträge‘ (s. Rubrik ‚Prozesse‘ in der obigen Gegenüberstellung) führen im Unterschied zu traditionellen Methoden zu Aufwandsverschiebungen, dem schon zuvor erwähnten ‚Frontloading‘. Da somit auch zusätzliche Inhalte in die frühen Prozessphasen aufgenommen werden, liegt es nahe – wie im IPD-Leitfaden auch vorgenommen – die althergebrachten Phasen-Bezeichner zu ändern. Das Amerikanische Architekten-Institut (AIA) schlägt die folgenden neuen Bezeichner vor, wobei es zu beachten gilt, dass hier der US-amerikanische Bauprozess Pate gestanden hat:

IPD resultiert in neuen Phasen-Bezeichnungen

IPD resultiert in neuen Phasen-Bezeichnungen

Welche Aufgaben galt es, in den traditionellen (USA) Prozessphasen abzuarbeiten und was verändert sich im Vergleich dazu bei IPD?

Die alten Prozessphasen (USA) mit den neuen (= integriert (IPD)) verglichen

Die alten Prozessphasen (USA) mit den neuen (= Integriert (IPD)) verglichen

IPD mit BIM = Zweimal Bauen = Zweimal mit dem gleichen Team!

In der obigen Darstellung deutet sich schon an, wie die Verschiebung des ‚Entscheidungsberges‘ vor sich gehen soll. Der Clou bei der Integrierten Projektabwicklung ist es, alle wichtigen Prozessbeteiligten (Auftraggeber, Architekt, Fachplaner, Generalunternehmer, Sub- bzw. Fachunternehmer sowie die zuständigen Behörden!) möglichst schon während der Phase ‚Konzeptionierung‘ an einen Tisch zu holen, dann einander die verschiedenen Optionen darzulegen, gemeinsam zu evaluieren und Entscheidungen zu treffen.

Einschub: In den USA ist (traditionell) das Generalunternehmer-Modell die wohl üblichste Art der Projektabwicklung. Auch wenn der Generalunternehmer häufig selber für die Rohbauarbeiten zuständig ist, so ist es für eine auch zeitsparende IPD wichtig, Sub- bzw. Fachunternehmer insbesondere dann schon von Anfang an dabeizuhaben, wenn ihre Fachgebiete Bauobjekte umfassen, die eine lange Vorlaufzeit benötigen, die speziell angefertigt werden müssen oder die am besten präfabriziert werden. Die restlichen Unternehmungen werden dann während der Phase ‚Letzte Zuschlagserteilung‚ bestimmt und vertraglich gebunden.

Der ‚Entscheidungsberg‘ hängt sowohl eng mit dem Zeitpunkt, an dem die beteiligten Parteien beginnen, aktiv an der Prozessabwicklung teilzunehmen, als auch mit der Dauer ihrer Teilnahme zusammen. Der traditionelle US-basierte Bauprozess liefert für die bereits benannten Parteien folgendes Balkendiagramm:

Traditionell (USA): Teilnahmedauer von Projektparteien u. Findungsphasen für Entscheidungen

Traditionell (USA): Teilnahmedauer von Projektparteien u. Findungsphasen für Entscheidungen

Einschub: Dem aufmerksamen Leser ( 😉 ) wird wahrscheinlich aufgefallen sein, dass sich hier ein kleiner, mir aber dennoch erwähnenswerter Unterschied zwischen dem amerikanischen und dem deutschen (traditionellen) Bauprozess auftut. Während die Deutschen in Leistungsphase 4 ‚Genehmigungsplanung‘ ihre Projekte von den Bauämtern absegnen lassen und sich danach an die Ausführungsplanung machen, so legen die Amerikaner erst ihre Ausführungsdokumente den Behörden zur Genehmigung vor. Diese und andere Unterschiede werde ich in einem späteren Blog-Eintrag untersuchen, in dem ich auch auf andere Probleme eingehen möchte, die einer Einführung von IPD bei (öffentlichen) deutschen Bauprojekten entgegenstehen.

Dem traditionellen Bauprozess gehört nun der Bauprozess nach IPD zum Vergleich gegenübergestellt:

Integriert (IPD): Teilnahmedauer von Projektparteien u. Findungsphasen für Entscheidungen

Integriert (IPD): Teilnahmedauer von Projektparteien u. Findungsphasen für Entscheidungen

Eine Kombination der obigen Darstellungen (Macleamy Kurve und die beiden Balkendiagramme) im direkten Vergleich können Sie hiermit aufrufen: –> Link.

Der Leitfaden bespricht nicht nur die einzelnen Phasen des Bauprozesses, die Aufgaben der wichtigsten teilnehmenden Parteien und die Ergebnisse pro Phase, sondern behandelt auch rechtliche Fragen zu verschiedenen Formen, die das Joint Venture der Parteien annehmen kann, welches mit dem Auftraggeber zusammen die Projektabwicklung gestalten soll.

Ein weiteres Thema ist auch die (vertraglichen) Konstellationen zwischen dem Auftraggeber, dem Architekten und dem (General-) Unternehmer. Hier geht der Leitfaden von den existierenden Projektabwicklungsmodellen aus und wägt die Vor- und Nachteile ab und damit auch, ob diese Modelle eine integrierte Projektabwicklung ermöglichen:

Für IPD geeignet? Projekt-Abwicklungsmodelle im Vergleich

Für IPD geeignet? Projekt-Abwicklungsmodelle im Vergleich

Die obige Darstellung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und auch nicht die der reinen Lehre, sprich es treten auch Mischformen von den Modellen auf wie z. B. zwischen ‚Entwurf, Vergabe u. Bauausführung‚ und ‚Viele Hauptunternehmer‚.

Zitat aus dem IPD-Leitfaden:
„Es versteht sich, dass die integrierte Projektabwicklung (IPD) und Arbeiten mit Bauwerksinformationsmodellen (BIM) voneinander verschiedene Konzepte darstellen – das erste ist ein Prozess und das zweite ein Werkzeug. Es wird sicherlich integrierte Projekte geben, die ohne BIM abgewickelt werden und so wird wohl auch BIM in nicht-integrierten Prozessen angewendet. Möchte man jedoch den größtmöglichen Nutzen aus beiden ziehen, aus IPD und BIM, so funktioniert dies nur, wenn beide zusammen benutzt werden.“

Wenn ich mir dieses Zitat und die Darstellung der Projekt-Abwicklungsmodelle zusammen anschaue, so beschleicht mich ein Gefühl der Unsicherheit, ob es in Deutschland überhaupt auf absehbare Zeit möglich sein wird, „den größtmöglichen Nutzen aus beiden [zu] ziehen, aus IPD und BIM?! Genau die beiden Modelle „Viele Hauptunternehmer“ und „Entwurf, Vergabe und Bauausführung“ haben hierzulande doch einen recht hohen Anteil an den Bauprojekten.

In diesem Blog-Eintrag habe ich mir den IPD-Leitfaden des Amerikanischen Instituts für Architekten (AIA) angeschaut und somit fast zwangsweise auch nur den traditionellen Bauablauf wie er (noch) in den USA üblich ist mit dem angestrebten IPD-Prozess verglichen. In einem der kommenden Blog-Einträge werde ich mir den traditionellen Bauablauf in Deutschland vornehmen und dann diesen mit dem hier dargestellten IPD-Prozess vergleichen!

Es bleibt also spannend! Schauen Sie doch einfach mal wieder vorbei! Oder machen Sie es sich einfach, abonnieren Sie meinen Blog und empfehlen ihn weiter! Gerne höre ich von Ihnen und empfange Ihre Bewertungen (s. u.)!

Mit freundlichen Grüßen aus Berlin!

Konrad Stuhlmacher

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Da tut sich ja doch ‚was in Deutschland!

Foto_BIM_Workshop Wenn man sich auf den einschlägigen deutschsprachigen Webseiten in Sachen BIM so umschaut, so kann man nur den Eindruck bekommen: ‚Still ruht der See‘ … oder doch nicht? Wie ich schon in meinen letzten Blog-Einträgen (s. z. B. ‚Ländervergleich: BIM-Premiere League, BIM-Bundesliga, BIM-Regionalliga–> Link, oder ‚Die Niederländische BIM Task Group: Bouw Informatie Raad–> Link) erwähnt habe, hat das DIN Deutsches Institut für Normung e. V. am letzten Donnerstag (11.9.2014) einen BIM-Workshop veranstaltet. Und? Da tut sich ja doch ‚was in Deutschland in Sachen BIM! Das Programm sah folgendermaßen aus:

Während auch alle Vorträge auf der Seite des Normenausschuss Bauwesen des DIN (–> Link) veröffentlicht sind, so möchte ich doch im Folgenden auf sie eingehen – mal mehr, mal weniger.

BIM-Strategie für Deutschland

Herr Dr. Koggelmann, Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI, –> Link) berichtete über die Arbeiten der Reformkommission Bau von Großprojekten (–> Link) und hier im Speziellen von den Arbeiten der Arbeitsgruppe BIM. Ende letzten Jahres, also schon im Dezember 2013 hat die AG BIM eine erste Skizze einer BIM-Strategie für Deutschland vorgelegt. (Still ruht der See … !?). Die Strategie umreisst die folgenden Eckpunkte:

  • Daten verfügbar machen, Transparenz schaffen

Hochwertige Informationen werden zum richtigen Zeitpunkt benötigt, um kompetente Entscheidungen im Hinblick auf die ökonomischen und ökologischen Ziele treffen zu können;

  • Öffentlicher Auftraggeber

Dem öffentlichen Auftraggeber kommt bei der Durchsetzung der BIM-Methode eine besondere Rolle zu;

  • Referenzprojekte

Anhand von Referenzprojekten kann gezeigt werden, was jetzt schon geht, was noch entwickelt werden muss und was andere davon lernen können;

  • Push-Pull-Strategie (Fördern und Fordern)

Push = Förderung und aktive Hilfe- stellung bei der Umsetzung innerhalb der Bauwirtschaft, Pull = Forderungs-Impuls in die Bauwirtschaft als klares Zeichen, ganz bestimmte verlässliche und transparente Datenlieferungs- und Entschei- dungsprozesse zu etablieren;

  • Kompetenzsteigerung

Durch höheres Kompetenzniveau (=positiver Nebeneffekt von Push-Pull-Strategie) die Zuverlässigkeit der Bauwirtschaft festigen und ausbauen;

  • KMUs

Besonderes Augenmerk auf KMUs, um eine Überforderung des Gesamtmarktes zu vermeiden;

  • Soft Landings (sanfter Übergang)

Definition einer „Übergangsphase“ (Soft Landings), in der der Auftraggeber / Immobilienbetreiber begleitet wird, um in vollem Umfang den Nutzen aus den gelieferten Daten ziehen zu können und auch um die Erkenntnisse während einer Be- triebsphase wieder in der Bauwirtschaft verfügbar zu machen;

  • Zeithorizont

Konkretes Ziel ist, im Verlauf der nächsten 5 Jahre für Großvorhaben integrierte modellorientierte Arbeitsweisen in einem noch zu definierenden Umfang schrittweise einzuführen.

Bauen Digital GmbH*

Herr Wernik (LÉON WOHLHAGE WERNIK –> Link, Vorsitzender der Geschäftsführung von buildingSMART e. V. –> Link) konnte in seinem Vortrag verkünden, dass am 8. 9. 2014 von Verbänden der deutschen Bauindustrie beschlossen wurde, eine GmbH als eine deutsche BIM Task Group  zu gründen und diese „Bauen Digital GmbH – Gesellschaft zur Digitalisierungs des Planens, Bauens und Betreibens“ zu nennen.

Unterstützung für die Bauen Digital GmbH

Unterstützung für die Bauen Digital GmbH

[N.B: NN steht dafür, dass bei der Bauen Digital GmbH die Türen für jeden offen stehen, sei es Verband, sei es Privatperson, um sich dieser Initiative anzuschließen] Die Mission der neuen GmbH liest sich wie folgt:

  • beschleunigte Einführung von BIM in Deutschland koordinieren und unterstützen;
  • Vermeidung von Überlappung und Lücken der erforderlichen Aktivitäten;
  • Priorisierung und Delegation von Aufgaben;
  • bündelnde Kommunikation.

* 2015-02-20:
Heute wurde von den Verbänden der Planungs-, Bau- und Immobilienwirtschaft die
„planen-bauen 4.0 – Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens mbH“.
Siehe auch Pressemitteilung von buildingSMART e. V. –> Link.

Meine Präsentation mit dem Titel: „BIM-Aktivitäten außerhalb und innerhalb Deutschlands“ können Sie bei Slideshare finden (–> Link).

buildingSMART International

Herr Dr. Liebich (AEC3 Deutschland GmbH, –> Link) stellte die Normungs- und Standardisierungsaktivitäten bei ISO und CEN bzw. buildingSMART International vor. In meinem Blog habe ich des Öfteren bereits die BIM-Entwicklungskurve von Bew & Richards oder Varianten davon als Grafik eingebunden oder besprochen. Gerade auch deshalb fand ich die Variante von buildingSMART International sehr interessant, die ich übersetzenderweise aufgearbeitet habe:

Links zum Glossar:

Links zum Glossar: BIM, IFC, CV, COBie, MVD, BCF, LOD

VDI 3805 – international

Herr Dr. Manfred Pikart vom Bundesindustrieverband Deutschland – Haus-, Energie- und Umwelttechnik e. V. (BDH, –> Link) stellte die Normungsaktivitäten vor, bei denen die VDI-Richtlinie 3805 „Produktdatenaustausch in der Technischen Gebäudeausrüstung“ die Basis für die Erarbeitung der ISO 16757 bildet (–> Link).

Anwendung eines Standards: Revit®-plug-in für DIN SPEC 91400

DBDBIMÜber die Erarbeitung der DIN SPEC 91400 habe ich bereits in einem früheren Blog-Eintrag berichtet (s. ‚Eine fach- und silo-überspannende Bauklassifikation für den deutsch-sprachigen Raum? [u]–> Link). Herr Dr. Klaus Schiller, Dr. Schiller & Partner GmbH – Dynamische BauDaten (–> Link) erörterte die ‚BIM-Klassifikation nach STLB-Bau‚. Die Idee ist, dem Anwender ein Hilfsmittel zu geben, ein Bauteil standardisiert, menschen- und maschinenlesbar (=“GUID-isch“) zu spezifizieren sowie den offenen und neutralen IFC-Datenaustausch an den dafür vorgesehenen Stellen so zu füllen, dass der Daten-Empfänger diese Bauteileigenschaften genauso wie abgeschickt bekommt und weiterverarbeiten kann. Während es die Klassifikation zum einen als ’neutrale‘ IFC-Datei zum Herunterladen geben wird (Ende 2014), so wird DBD – als eine erste Anwendung der DIN SPEC – auch eine DBD-BIM-Schnittstelle anbieten, die darüber hinaus noch Folgendes bietet:

  • Verknüpfung mit nationalen und internationalen Klassifikationen (DIN 276-1, OmniClass™, Uniclass2, etc.)
  • BIM-integriertes Fachwissen (z.B. Regeln der Technik)
  • Modellbasierte Leistungsbeschreibungen
  • Modellbasierte Mengen-Wert-Gerüste für Kostenermittlungen

Was ich aber besonders spannend finde ist, dass auch gleich ein Revit®-plug-in angeboten wird (zur BAU 2015 in München), das neben den oben genannten Verknüpfungen auch dafür sorgt, dass die standardisierten Bauteileigenschaften sowohl im IFC-Import als auch IFC-Export enthalten sind – und das direkt aus Autodesk Revit® heraus!

VDI-Koordinierungskreis „Building Information Modeling“

Bereits im Dezember 2013 wurde beim VDI ein Koordinierungskreis ‚Building Information Modeling‘ gegründet (KK-BIM –> Link), deren Vorsitz Herr Prof. Rasso SteinmannInstitut für angewandte Bauinformatik e. V. an der Hochschule München (IABI, –> Link) übernommen hat. (Still ruht der See?!). VDI_Agenda_BIMDieser hat nun eine Agenda erarbeitet (–> Link), die folgende Handlungsfelder umfasst:

  • Mensch

Eine klare Definition der Verantwortlichkeiten und Rollen ist bei der BIM-Anwendung der erste und zugleich einer der wichtigsten Schritte.

  • Technologie

Die BIM-Technologie sollte im Rahmen der Regelsetzung so beschrieben werden, dass Aspekte wie z. B. Datenaustausch, Datenmanagement oder Mengenermittlung in den Richtlinien standardisiert sind.

  • Prozesse

Im Rahmen der Richtlinienarbeit zu Prozessen sollen Themen wie ‚Anforderungen an die Planung und den Ablauf‚ oder ‚Qualitätskriterien für Informationen, Ausschreibung versus Angebot‚ betrachtet werden.

  • Rahmenbedingungen 

Bei den Rahmenbedingungen sind muss ein Abgleich mit den existierenden Regelungen stattfinden, beispielsweise mit der VOB und der HOAI.

Zitat aus der Agenda des VDI KK-BIM: „Die deutschen Besonderheiten bei der Planung, Erstellung und dem Betrieb von Bauwerken macht eine nationale Regelsetzung jedoch in jedem Fall erforderlich. Diese maßgeblich durch den VDI– Koordinierungskreis BIM getriebene nationale Regelsetzung soll weiterhin die Grundlage für den deutschen Standpunkt zu einer in absehbarer Zukunft folgenden internationalen Normung (ISO) sein.“ Zwischen dem DIN Deutsches Institut für Normung e. V. und dem VDI in Sachen BIM wurde ein Einvernehmen über die Arbeitsteilung erreicht. Der VDI ist die maßgebliche Stelle für die nationale BIM-Regelsetzung. Jedoch wenn es darum geht, diese Regeln in die Welt, d. h. zu CEN und zu ISO zu tragen, ist dies die Aufgabe des DIN Deutsches Institut für Normung e. V. Dies wurde in der abschließenden Podiumsdiskussion auch deutlich.

Machen Sie mit!

IMG_1555 Wenn eine Europäische Norm erarbeitet wird, so werden jeweils in den Mitgliedsländern der europäischen Normungsorganisation CEN – worunter auch Deutschland – sogenannte Spiegelgremien mit Vertretern aller nationalen interessierten Kreise gebildet. In diesem Spiegelgremium wird daraufhin – im Konsens (!) – eine Meinung zu den zur Diskussion stehenden Themen gebildet. Diese Meinung wird dann von einem entsandten Vertreter bei der Arbeit des europäischen Normungsgremiums eingebracht. Eine Besonderheit ist, dass alle auf CEN-Ebene erarbeitete Europäischen Normen – im Gegensatz zu den Internationalen Normen auf ISO-Ebene – automatisch ins deutsche Normenwerk übernommen werden müssen, also automatisch deutsche Normen werden. Einer frühzeitigen Einflussnahme kommt hierbei also eine große Bedeutung zu! Bei der Podiumsdiskussion ging es genau um ein solches deutsches Spiegelgremium, da bereits Ende des Jahres 2014 (!) mit höchster Wahrscheinlichkeit bei CEN ein sogenanntes Technisches Komitee gegründet wird, das die zukünftigen europäischen Normungsarbeiten zum Thema BIM koordinieren soll.

Alle interessierten Kreise in Deutschland sind also aufgerufen, Vertreter in dieses Spiegelgremium beim DIN zu entsenden, um Deutschland eine fundierte Stimme bei den Normungsarbeiten zu BIM auf europäischer Ebene zu geben! Auch Sie sind damit gemeint!

[N.B: Hier können Sie Kontakt zum Ansprechpartner im Normenausschuss Bauwesen (NABau) im DIN aufnehmen: –> Link]

Ergebnis

Nach einer kurzen Kaffeepause wurden den Teilnehmern die folgenden Punkte als Ergebnis des Workshops präsentiert:

  • Gründung der „Bauen Digital GmbH“ wird durch die Anwesenden begrüßt.
  • Die Gesellschaft bündelt die Interessen der Bauwirtschaft.
  • Pränormative Richtlinienarbeit zur Umsetzung des Standes der Forschung im Markt wird begrüßt.
  • Der sich anschließende Stand der Technik wird in die Normung überführt werden.
  • DIN wird hierzu ein entsprechendes Gremium etablieren und zu einer Auftaktsitzung einladen.
  • Dieses DIN-Gremium ist für die europäische und internationale Spiegelarbeit verantwortlich.
  • Die Partner DIN/VDI/Bauen Digital GmbH werden ihre Zusammenarbeit daraufhin abstimmen, dass keine Doppelarbeiten entstehen.
  • Weitere Regelsetzer sind ausdrücklich eingeladen, an der Zusammenarbeit teilzunehmen.

Mein Resümee

Es ist festzustellen, dass Deutschland in Sachen BIM weit hinter dem zurückhängt, was andere – auch europäische Staaten – uns bereits jahrelang vormachen. Aber: Da tut sich ja doch ‚was in Deutschland in Sachen BIM! Aber jetzt ist es nicht die Zeit wie Herr Dr. Thomas Liebich (AEC3 Deutschland GmbH, –> Link) sehr trefflich formulierte: „Zu schauen was für fünf Sachen noch nicht funktionieren, sondern zu realisieren, dass bereits fünf Sachen funktionieren. Es gilt jetzt, mit diesen anzufangen, um dann die noch nicht funktionierenden Sachen anzugehen!“ Es bleibt bzw. wird spannend (in Deutschland)! Ich werde darüber berichten! Schauen Sie doch wieder einmal vorbei! Machen Sie es sich einfach und abonnieren Sie meinen Blog und empfehlen ihn weiter! Es würde mich freuen!

Architektur- und Ausschreibungsmodell synchron – NBS Create

BBSR Auftragsforschung 10.08.17.7–12.03: Vorschlag für eine Erweiterung des GAEB DA XML Wirkungsgebietes

BBSR Auftragsforschung 10.08.17.7–12.03: Vorschlag für eine Erweiterung des GAEB DA XML Wirkungsgebietes

Vor kurzem las ich in einem meiner Blogroll-Blogs (‚BIM Bauwelt und NBS‚, –> Link) etwas über das überarbeitete NBS Create Plug-in für Revit®. (‚The top three enhancements to the NBS Plug-in for Autodesk Revit‘, –> Link)

Dies erinnerte mich stark an das Projekt 10.08.17.7–12.03 der BBSR Auftragsforschung, „D-A-CH XML-Datenaustausch AVA – Definition einer XML-Austauschbasis für die D-A-CH – Länder unter Berücksichtigung der landes-spezifischen Austauschstandards“, das ich während meiner Zeit bei AEC3 (–> Link) machen durfte. Als eines der Ergebnisse schlugen wir vor, der GAEB möge sich doch auch der Prozessphasen (HOAI LPH 1 – 5) vor der eigentlichen Ausschreibungsphase (HOAI LPH 6 u. 7) annehmen. 

Eine solche Verbindung zwischen dem Architektur- und dem Ausschreibungsmodell bietet in Großbritannien jetzt NBS mit seinem NBS Create Plug-in für Revit® an – und das bereits in einer überarbeiteten Version. Grund genug, sich dies einmal näher anzuschauen.

Für die Darstellung von diesen Geschäftsprozessen habe ich die dafür entwickelte Darstellungsweise, BPMN, in den dabei üblichen sogenannten Schwimmbahnen gewählt.

Das NBS Plug-in für Revit® (Vers. 2015) eingebunden in umgebende Prozesse

Das NBS Create Plug-in für Revit® (Vers. 2015) eingebunden in umgebende Prozesse

Die einzelnen nummerierten Schritte werde ich im folgenden etwas näher betrachten:

1. Verbindung zu IFC

NBL BIM-Objekte haben u. a. IFC-Eigenschaften.

2. Verbindung zu weiteren (inter-) nationalen Bauklassifikationen

Die NBL BIM-Objekte sind nach Uniclass2 Tabelle ‚Work Results‘ (WR = Arbeitsergebnisse. Achtung: Zurückgezogen!) klassifiziert. Platzhalter für OmniClass™ sind hierbei vorhanden, müssen aber vom Anwender ausgefüllt werden.

3. Verbindung zu objektbezogenen weiterführenden Fachinformationen

Über das NBS Create Plug-in kann der Anwender auf NBS Guidance zugreifen. Dies umfasst:

  • Informationen zu den Werkstoffen, die benutzt werden sollen – Eigenschaften, Leistungsmerkmale, allgemeine Anwendung, usw.
  • die wichtigsten Bezugsdokumente
  • Empfehlungen zu Entwurf und Verarbeitung
  • Häufige Fehlerursachen und wie diese zu umgehen sindAu
  • Vertragliche Angelegenheiten

Zusätzlich kann auch NBS Plus zu Rate gezogen werden. Dies umfasst:

  • Bibliothek mit kontextbezogenen Herstellerangaben zu Bauprodukten

4. Verbindung zu BIM-Objektbibliotheken

Die NBL ist im NBS Create Plug-in aufrufbar. Der Anwender kann die BIM-Objekte aus der NBL über Drag-and-drop ins BIM-Modell übernehmen.

5. Verbindung zu Standard-Ausschreibungstexten

Mit dem NBS Create Plug-in kann der Anwender auf zwei Arten ein grobes Gerüst für seine Ausschreibungstexte erstellen:

  • Über zu importierende NBL BIM-Objekte, die bereits nach Uniclass2 klassifiziert sind.
  • Über das Assoziieren von selber modellierten Objekten nach der Uniclass2-Tabelle Systems (SS – Systeme)

6. Beschriftung von BIM-Objekten im Architektur-Modell

Mit dem NBS Create Plug-in kann der Anwender NBS Create Kurztexte als Objekt-Beschriftungen in das Architektur-Modell übernehmen. (=Sichtbares Zeichen, dass das Architektur- mit dem Ausschreibungsmodell verbunden sind!).

7. Synchronisation Ausschreibungs-Modell – BIM-Modell

Mit dem NBS Create Plug-in kann der Anwender einen Report erzeugen, in dem das Architektur- und das Ausschreibungsmodell mit einander verglichen werden. Auf Differenzen wird der Anwender hingewiesen, so dass die beiden Modelle synchron gehalten werden können.

8. Weiterführende Berichte

Weiterführende Berichte sind derzeit nicht möglich.

N.B: Im Gegensatz zu z. B. deutschen Gepflogenheiten liegen Mengen und Kosten nicht (!) im Aufgabenbereich eines Ausschreibungsprogramms und somit auch nicht von NBS Create.

9. Export als offene nicht-proprietäre Formate

Das Architektur-Modell kann zusammen mit den NBS Create-Informationen als IFCDokument (IFC 2×3) exportiert werden (Achtung: Beta-Stadium).

Die Plug-ins von NBS (es gibt neben dem Plug-in für Revit® auch ein Plug-in für ArchiCad® und ein ‚NBS Annotator Link tool for Vectorworks® 2014′) erlauben eine sehr beeindruckende Verbindung zwischen den Architektur-Modellen und NBS Create. Dieses wiederum ist so aufgebaut, dass man mit gutem Gewissen von einem ‚Ausschreibungsmodell‘ sprechen kann.

Gibt es in Deutschland Entsprechendes? Geht die Integration der beiden Modelle ähnlich weit? M. E. derzeit (noch?) nicht!

Es bleibt also spannend! Ich werde darüber berichten!

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Arbeitsablauf nach Maß – der RIBA Arbeitsplan 2013

Weil für das Thema der Detaillierungsgrade (= Level of Detail/Development oder auch LoD, siehe auch meinen einleitenden Blog-Eintrag „LoD = Lots of Definitions?–> Link) ein genau gestaffelter und strukturierter Prozess sehr wichtig ist, ist heute der RIBA Plan of Work 2013 (PoW–> Link), also der Arbeitsplan der Britischen Architektenkammer dran.

Webseite zum RIBA Arbeitsplan 2013 (Englisch)

RIBA Arbeitsplan 2013

Der PoW teilt den Bauprozess in acht Phasen ein (s. auch Blog-Eintrag „Britische Ausschreibung: Ein digitales Werkzeug für das Arbeiten mit Bauwerksinformationsmodellen“ –> Link), die ich wie folgt übersetzen würde:

Acht Phasen des RIBA Arbeitsplanes 2013

Acht Phasen des RIBA Arbeitsplanes 2013

Bei diesen Phasen muss man gleich an die Leistungsphasen der HOAI denken. Ist die HOAI ein Arbeitsplan wie der PoW? Ist diese Honorarordnung ein Leitfaden, was in den verschiedenen Phasen gemacht werden soll? Wahrscheinlich nur bedingt, denn:

„Nur die Frage, ob und wie hoch eine Leistung eines unter das Regime der HOAI fallenden Planers vergütet wird, welche Förmlichkeiten er dabei zu beachten hat, soll in der HOAI geregelt werden, nicht hingegen die Ausgestaltung der Pflichten des Planers.“ (Quelle: http://www.grehsin.de/schwerpunkte/baurecht-architektenrecht/architektenrecht)

Etwas Vergleichbares zum PoW gibt es z. B. auf der Internetseite der Berliner Architektenkammer (–> Link): Das Kompendium „Der Weg zum Bauwerk“ (2007; –> Link)

„Das Nachschlagewerk stellt notwendige Aktivitäten aller am Bau Beteiligen in ihren gegenseitigen Abhängigkeiten und in ihrem Ineinandergreifen dar. Es richtet sich somit an Architekten, Bauherren und Ausführende.“ (Quelle: http://www.ak-berlin.de/publicity/ak/internet.nsf/tindex/de_broschueren.htm)

Auf dieses Kompendium werde ich in meinem nächsten Blog-Eintrag näher eingehen. („‚Der Weg zum Bauwerk‘ für Architekten, Bauherren und Ausführende“ –> Link)

Der RIBA PoW fügt sich in das Große und Ganze der Britischen BIM-Strategie ein (siehe auch das BIM-Reifediagramm –> Link). Hierdurch ist er auch sehr gut verankert, was seiner – gefühlten – Legitimität ebenfalls zugute kommt!

Der Grundgedanke der integrierten Herangehensweise und der Effektivitätssteigerung durch Wissenstransfer von Projektpartnern bzw. durch Erfahrungen aus vorangegangenen Projekten ist immer wieder zu spüren.

Bauprojekte als Kreisläufe

Logo RIBA Plan of WorkDas soll auch das Symbol in Form eines Kreises/Kreislaufes unterstreichen. Folgerichtig beginnt ein Projekt auch mit den Überlegungen, ob Um- oder Neubau angepasster ist (=“Strategic Definition„/“Strategische Festlegung„) und am Ende des Kreises, während der Betriebsphase (=“In Use„/“Betrieb„) versucht man in Nachbesprechungen Lehren aus dem gerade abgeschlossenen Projekt zu ziehen und diese für zukünftige Projekte nutzbar zu machen.

Daten und Zeitpunkt für Informationen definiert

In Sachen LoD ist interessant, dass im RIBA PoW für jede Phase die auszutauschenden Informationen bestimmt werden.

RIBA Plan of Work 2013 - Information Exchanges

Zusammenarbeit groß geschrieben

Der fachübergreifenden Zusammenarbeit zu einem möglichst frühen Zeitpunkt wird ein großer Stellenwert zugeschrieben:

„Die Wichtigkeit, ein Projektteam ordnungsgemäß zusammenzustellen, kann nicht unterschätzt werden. Insbesondere wenn man sich des wachsenden Einsatzes von einer Technik bewusst wird, die sowohl die Kommunikation zwischen geographisch weit von einander entfernten Parteien und als auch die Projektentwicklung mittels BIM ermöglicht. Damit Phase 2 [Anm: „Concept Design„/“Grobplanung„] überhaupt ernsthaft begonnen werden kann, ist es notwendig, dass zuvor das Projektteam ordnungsgemäß zusammengestellt wurde.“ (Quelle: RIBA Plan of Work 2013 – Overview).
Toolbox des RIBA Arbeitsplans 2013 (Englisch)

Toolbox des RIBA Arbeitsplans 2013

Praxisgerechter Einsatz durch Toolbox

Die Ambition der PoW-Macher war es, den Anwendern ein möglichst flexibles Instrument an die Hand zu geben. Da aber bestimmte Entscheidungen (wie z. B. die Art der Vergabe) Änderungen in späteren Phasen nach sich ziehen, lag es nahe, ein Hilfsmittel zu entwickeln, das diese Abhängigkeiten abbilden kann: Die Toolbox (–> Link). Diese basiert auf MS Excel® und liefert nicht nur die erwähnten Möglichkeiten, sondern ist zudem auch noch mit einer Vielzahl an Erläuterungen bestückt.

RIBA PoW als Gegenmittel zu Wildwuchs bei CAD-Standards

Interessanter Weise möchte die RIBA den PoW als Hilfsmittel für die Anwendung von BIM an sich sehen und damit gleich von Anfang an ein Zeichen setzen, um einem ähnlichen Wildwuchs an Standards wie bei der Einführung von CAD in den Büros gleich entgegenzuwirken.

Auch der RIBA PoW 2013 könnte exportiert werden!

Wie an anderer Stelle auch (s. Blogeintrag: „Britische Ausschreibung: Ein digitales Werkzeug für das Arbeiten mit Bauwerksinformationsmodellen–> Link), ist auch in den Erläuterungen zum PoW zu lesen, dass durch das weltweite Interesse an den Britischen BIM-Aktivitäten, die Möglichkeit entsteht, dieses Dokument bzw. Hilfsmittel zu exportieren!

Bevor das aber passiert, sollte man sich anschauen, was wir hierzulande diesbezüglich schon aufweisen können. Daher möchte ich mir – wie bereits erwähnt – als nächstes das Kompendium „Der Weg zum Bauwerk“ (2007; –> Link) näher betrachten. („‚Der Weg zum Bauwerk‘ für Architekten, Bauherren und Ausführende“ –> Link).

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